Nach tödlichem Streit auf Stadtfest: Hunderte machen in Chemnitz Stimmung gegen Ausländer

26. August 2018 - 20:50 Uhr

Rechte versammeln sich zu Spontandemo

Üble Szenen in Chemnitz: dort ist anscheinend ein Trauermarsch von mehreren hundert Menschen komplett aus dem Ruder gelaufen. Angeblich wurden gezielt ausländisch aussehende Menschen angegriffen, neben Parolen wie "Das ist unsere Stadt" soll die Menge auch hässliche Sätze wie "Haut ab, ihr Kanaken" gebrüllt haben. Auslöser der Kundegebung war der tödliche Streit bei einem Stadtfest, bei dem ein 35-Jähriger erstochen worden war.

Demonstranten warfen Flaschen auf Polizisten

26.08.2018, Sachsen, Chemnitz: Ein Polizeifahrzeug steht in der Chemnitzer Innenstadt vor der Kulisse des Stadtfestes. Nach dem verhängnisvollen Streit in der Chemnitzer Innenstadt in der Nacht zu Sonntag mit einem Todesopfer und zwei Verletzten ende
Das Stadtfest in Chemnitz wurde nach dem tödlichem Angriff auf einen 35-Jährigen abgebrochen.
© dpa, Sebastian Willnow, wil axs

Am frühen Nachmittag hatte die AfD zu einer Kundgebung aufgerufen. Diesem Aufruf waren etwa 100 Menschen gefolgt. Diese Veranstaltung blieb laut Polizei störungsfrei. Dem folgte die zweite Kundgebung, an der deutlich mehr Menschen teilnahmen. Die Menschen folgten anscheinend mehreren spontanen Aufrufen, die über soziale Medien verbreitet wurden. Die Ultras "Kaotic Chemnitz" des örtlichenFußballvereins hätten auf Facebook dazu aufgerufen, "zu zeigen, wer in der Stadt das Sagen hat", berichtete der MDR.

Rund 800 Demonstranten versammelten sich, um Stimmung gegen Migranten zu machen. "Noch während Vertreter der Stadt und der Polizei mit vermeintlich verantwortlichen Personen der Gruppe ein Gespräch führen wollten, setzte sich die Gruppierung unvermittelt in Bewegung", teilte die Polizei mit. Niemand hätte mehr auf die Polizisten reagiert, es flogen sogar Flaschen gegen die Polizeibeamten.

Die Stadt beendete aus Sicherheitsgründen ihr Stadtfest. "Wir sind erschrocken, über die Menschenansammlungen, die passiert sind", sagte Stadtsprecher Robert Gruner. Man habe friedlich miteinander das Jubiläum der Stadt feiern wollen. Nun habe sich jedoch gezeigt, dass es richtig war, dass Stadtfest vorzeitig abzubrechen. Statt um 20 Uhr endete das Fest bereits um 16 Uhr.

Stadt ist "erschrocken" über die Demonstranten

26.08.2018, Sachsen, Chemnitz: Blumen und Kerzen liegen auf einem Weg in der Chemnitzer Innenstadt. Nach dem verhängnisvollen Streit in der Chemnitzer Innenstadt in der Nacht zu Sonntag mit einem Todesopfer und zwei Verletzten endet das Stadtfest vor
Eine Trauerkundgebung lief völlig aus dem Ruder. Statt zu trauern, griffen einige Menschen Ausländer an und brüllten rassistische Parolen.
© dpa, Sebastian Willnow, wil axs

"Wenn ich sehe, was sich in den Stunden am Sonntag hier entwickelt hat, dann bin ich entsetzt", sagte Oberbürgermeisterin Barbara Ludwig (SPD) dem MDR. "Dass es möglich ist, dass sich Leute verabreden, ansammeln und damit ein Stadtfest zum Abbruch bringen, durch die Stadt rennen und Menschen bedrohen - das ist schlimm."

Der 35-jährige Deutsche war in der Nacht zum Sonntag nach dem Chemnitzer Stadtfest bei einem Streit zwischen Menschen mehrerer Nationalitäten ums Leben gekommen. Er soll sich in sozialen Medien deutlich gegen Nazis, Pegida und AfD positioniert haben. 

Die Gründe für die Auseinandersetzung sind bislang ungeklärt. Die Polizei nahm zwei 22 und 23 Jahre alte Männer vorläufig fest, die sich vom Tatort entfernt hatten. Zu deren Nationalität wollten die Beamten zunächst keine Aussage machen, da noch geprüft werde, ob und wie diese in die Auseinandersetzung involviert gewesen seien. Staatsanwaltschaft und Polizei ermitteln wegen Totschlags.