Verdacht gegen Labor erhärtet sich

Nach Tierqual-Skandal in Versuchslabor bei Hamburg: Pharmaunternehmen prüft Zusammenarbeit

18. Oktober 2019 - 16:01 Uhr

Im Video: „Soko Tierschutz“ machte heimlich Aufnahmen

Die grausamen Bilder von blutenden Hunden in Käfigen und an Metallgestellen fixierten Affen bewegen und rütteln auf - nicht nur menschlich. Sie sollen nun auch wirtschaftlich Folgen haben. Das Pharmaunternehmen Merck war bisher Auftraggeber für das in Hamburg ansässige Laboratory of Pharmacology and Toxicology (LPT). Nun steht die Zusammenarbeit auf der Kippe. Gegen das Labor ermittelt auch die Staatsanwaltschaft Stade. Unter anderem wegen den erschreckenden Aufnahmen der Aktivisten von "Soko Tierschutz" - im Video.

Was ist zulässig, was verboten?

Dass bestimmte Medikamente zunächst an Tieren getestet werden, bevor weitere Studien mit Menschen gemacht werden dürfen, ist in Deutschland nicht nur legal sondern auf dem Weg zur Zulassung gefordert. Auch das Chemie- und Pharmaunternehmen Merck mit Sitz in Darmstadt betont, dass Tierversuche "aus ethischer und wissenschaftlicher Sicht unerlässlich und gesetzlich vorgeschrieben" sind, so Pressesprecher Gangolf Schrimpf.

Das Unternehmen habe außerdem selbstgesetzte Tierschutzstandards, die es auch einhalte. Das LPT-Tierversuchslabor in Mienenbüttel bei Hamburg soll laut "Soko Tierschutz" die erlaubten Linien aber überschritten haben. Der Vorwurf: Das Labor soll nicht nur Tiere misshandelt, sondern auch bei Versuchen betrogen haben, sodass Forschungsergebnisse möglicherweise verfälscht wurden.

Zusammenarbeit wird geprüft, Staatsanwaltschaft ermittelt

Merck führt nach eigener Aussage 95 Prozent seiner Tierversuche in eigenen Labors durch, dementsprechend werden 5 Prozent der Aufträge an externe Labore vergeben. Merck-Sprecher Gangolf Schrimpf: "Von unseren Dienstleistern erwarten wir, dass sie die gleichen hohen Standards einhalten wie wir selbst". So wundert es nicht, dass das Pharma-Unternehmen wohl misstrauisch geworden ist und die Vorwürfe gegen das Labor intensiv prüft: "Eine weitere Zusammenarbeit mit LPT werden wir an den Ergebnissen der Prüfung ausrichten."

LPT wiederum kündigte bei RTL an, vollumfänglich mit den ermittelnden Behörden kooperieren zu wollen. Die Staatsanwaltschaft Stade hat Ermittlungen wegen des Verdachts auf Verstoß gegen das Tierschutzgesetz aufgenommen. Auch der Vorwurf des Betrugs wird geprüft. Staatsanwalt Johannes Kiers spricht von einem nicht alltäglichen Fall.

Demonstration und Mahnwache am Samstag

15.10.2019, Niedersachsen, Mienenbüttel: Friedrich Mülln, Vorstand und Gründer der Soko Tierschutz, zeigt auf das LPT-Labor in Mienenbüttel. Nach Hinweisen auf schwere Tierschutzverstöße nehmen die niedersächsischen Behörden ein Tierversuchslabor in
Friedrich Mülln, Vorstand und Gründer der Soko Tierschutz, zeigt auf das LPT-Labor in Mienenbüttel
© dpa, Bodo Marks, bom tba

Tierversuchsgegner rufen für Samstag, 19. Oktober, zu einer Demonstration vor dem LPT-Firmensitz in Hamburg auf. Vor dem Labor, indem die Organisation "Soko Tierschutz" die heimlichen Aufnahmen gemacht hat, soll außerdem eine stille Mahnwache stattfinden.