Nach Terroranschlag in Paris: Was uns jetzt droht

"Das hat eine neue Qualität"

Schwer bewaffnete Männer stürmen in Paris die Redaktionsräume des Satiremagazins 'Charlie Hebdo' und richten ein Blutbad an. "Ein Schock für Frankreich" sagt Präsident Francois Hollande nach dem Terror-Anschlag, bei dem mindestens zwölf Menschen ums Leben kommen. Das Pariser Attentat verschärft nun auch hierzulande die Sorge, dass Deutschland zum Schauplatz eines Terroranschlags werden könnte.

nach-terroranschlag-in-paris-was-uns-jetzt-droht
Für den Vorsitzenden der Deutschen Polizeigewerkschaft, Rainer Wendt,ist es nur eine Frage der Zeit, bis es auch in Deutschland einen Anschlag gibt.
dpa, Marc Tirl

"Die Gefährdungslage ist nach wie vor hoch und vor allem der Umstand, dass es sich bei den Attentätern offenbar um Dschihadisten gehandelt hat, bereitet den Verantwortlichen in Berlin Sorge", sagt RTL-Reporter Holger Schmidt-Denker. Man habe hier hoch professionell agierende Täter, die vermutlich über Kriegserfahrung verfügen und mit äußerster Kaltblütigkeit vorgehen. "Verglichen mit den jüngsten Anschlagsversuchen in Deutschland, mit mehr als laienhaft, dilettantisch agierenden Bombenlegern, ist das schon ein Unterschied", so Schmidt-Denker weiter.

"Dass weder Al-Qaida noch der Islamische Staat die Verantwortung für den Anschlag übernommen haben", könnte laut Terrorismus-Experte Michael Lüders "ein Hinweis darauf sein, dass die Attentäter auf eigene Faust gehandelt haben". Dementsprechend handele es sich mit großer Wahrscheinlichkeit nicht um einen Terroranschlag, der aus dem Nahen Osten gesteuert worden sei. "Vielmehr haben hier radikalisierte Muslime zur Waffe gegriffen und dieses Massaker angerichtet", so Lüders, und "das hat eine neue Qualität".

Für die Deutsche Polizeigewerkschaft ist es nur eine Frage der Zeit, bis es auch in Deutschland einen Anschlag gibt. Angriffe fanatischer Einzeltäter seien nicht zu verhindern, sagte Rainer Wendt. Der Vorsitzende sieht auch islamfeindliche Kundgebungen wie Pegida (Patriotische Europäer gegen die Islamisierung des Abendlandes) gefährdet. "Es braucht nicht viel Fantasie, um die vielen islamkritischen Veranstaltungen, Parolen und Demonstrationen als mögliche Terrorziele zu definieren", sagte er dem 'Handelsblatt'.

"Wasser auf die Mühlen der Pegida-Leute"

nach-terroranschlag-in-paris-was-uns-jetzt-droht
Der Bundesvorsitzende der AfD, Alexander Gauland, sieht in dem Terroranschlag von Paris eine Bestätigung für die Existenz von Pegida.
REUTERS, HANNIBAL HANSCHKE

Angesichts einer "abstrakt hohen" Gefährdungslage, so die Bewertung aus Sicherheitskreisen, ist es nun umso wichtiger, dass die Anschläge von Paris nicht für politische Zwecke instrumentalisiert werden. Nach Ansicht des SPD-Fraktionsvorsitzenden, Thomas Oppermann, wird der Anschlag die politische Diskussion in Deutschland in verändern. Im Mittelpunkt: die Pegida-Bewegung. "Ich befürchte, dass das jetzt Wasser auf die Mühlen der Pegida-Leute ist", sagte Linkspartei-Fraktionschef Gregor Gysi RTL. Und er scheint recht zu behalten.

Der AfD-Bundesvorsitzende Alexander Gauland bewertet den Anschlag als Rechtfertigung für die Anti-Islam-Bewegung. "All diejenigen, die bisher die Sorgen der Menschen vor einer drohenden Gefahr durch Islamismus ignoriert oder verlacht haben, werden durch diese Bluttat Lügen gestraft", sagte er dem RBB-Inforadio. "Vor diesem Hintergrund erhalten die Forderungen von Pegida besondere Aktualität und Gewicht."

Von daher ist es nicht überraschend, dass Vertreter der Alternative für Deutschland und des islamkritischen Pegida-Bündnisses in Dresden zu Gesprächen zusammengekommen sind, um inhaltliche Schnittmengen auszuloten. Diese seien auch durchaus vorhanden, so die AfD-Fraktionschefin im sächsischen Landtag, Frauke Petry, aber man suche nicht den Schulterschluss mit der Bewegung. Pegida wolle sich demnach nicht von Parteien abhängig machen und eine Bürgerbewegung bleiben.