Symbol der Rettung

Nach Terror-Anschlag in Halle: Synagogen-Tür soll zur Gedenkstätte werden

Synagoge in Halle: Die Tür soll aus der Fassade genommen und als Gedenkstätte neu aufgestellt werden.
© dpa, Hendrik Schmidt, hsc lop

17. Oktober 2019 - 15:57 Uhr

Synagoge in Halle: Seitentür verhinderte nur knapp ein Blutbad

Übersät mit Einschusslöchern, die Klinke abgebrochen – eine Woche nach dem Anschlag von Halle sind die Spuren des Terrors an der massiven Holztür, die zur Synagoge in Halle führt, nicht zu übersehen. Am höchsten jüdischen Feiertag Jom Kippur wollte Neonazi Stephan B. hier ein Blutbad anrichten, versuchte vergeblich, die Seitentür zum vollbesetzten Gotteshaus aufzuschießen. Aber die Tüt hielt stand. Zwei Menschenleben hat der Rechtsterrorist auf dem Gewissen. Und doch hätte es noch viel schlimmer kommen können. Jetzt soll die demolierte Synagogen-Tür zur Gedenkstätte werden – als Symbol der Rettung und als Mahnmal gegen Antisemitismus.

Jüdischer Gemeindevorsitzender: Synagogen-Tür von Halle ist "heilig"

Dutzende Einschusslöcher in der Synagogen-Tür zeugen vom versuchten Massaker in Halle.
Dutzende Einschusslöcher in der Synagogen-Tür zeugen vom versuchten Massaker in Halle.
© dpa, Jan Woitas, woi axs

Trotz der Schäden werde die Tür nicht entsorgt, sagte der Vorsitzende der jüdischen Gemeinde in Halle, Max Privorozki. "Für mich ist die Tür wirklich heilig, weil sie uns wirklich gerettet hat." Videoaufnahmen der Überwachungskameras zeigen, wie der Täter sich mit seinen selbstgebauten Waffen den Weg aufs Synagogen-Gelände bahnen will – und an der verriegelten Tür scheitert, frustriert weiterzieht. Ein paar Zentimeter massives Holz verhindern ein Massaker. "Das ist wirklich ein Wunder", so Privorozki.

An ihrer bisherigen Stelle soll die Tür aber nicht bleiben. Sie wird aus der Fassade genommen und anderswo neu aufgestellt. "Möglicherweise werden wir sie außerhalb der Synagoge in den Hof stellen", so Privorozki. So sollen Besucher daran erinnert werden, wie hier im Oktober 2019 Dutzende Menschen nur knapp dem Tod entgangen sind. Auch Überlegungen für einen Standort in der Stadt soll es bereits geben. Entschieden habe man sich noch nicht.

Stephan B. scheiterte am massiven Holz: Neue Synagogen-Tür soll noch sicherer sein

Die Tür zur Synagoge soll nun in Absprache mit Sicherheitsexperten durch eine noch besser gesicherte Tür ausgetauscht werden. Für ihre Sicherheit gebe die Gemeinde bis zu 10.000 Euro im Jahr aus, so Privorozki. Allein die Videoanlage an der Synagogen-Tür habe mit rund 30.000 Euro zu Buche geschlagen – leisten können habe sich die jüdische Gemeinde das mit finanzieller Unterstützung aus Israel. Spätestens jetzt hätten sich die hohen Kosten rentiert.