Betonplatten von Autobahnbrücke geworfen

Warum haben viele Menschen ein mulmiges Gefühl, wenn sie unter einer Brücke hindurchfahren?

22. Mai 2020 - 9:52 Uhr

Im Video: So äußert sich die Angst

Von einer Autobahnbrücke werden Betonplatten geworfen – der mutmaßliche Täter wird zwar schnell gefasst, doch es ist nicht das erste Mal, dass es zu solchen Taten kommt. Viele Menschen haben deswegen ein mulmiges Gefühl, wenn sie unter einer solchen Brücke durchfahren und Leute darauf stehen sehen – wie sich diese Angst äußert, erklären uns einige Frauen im Video. Wir haben mit Dr. Stefan Röpke von der Charité gesprochen, der einordnet, warum es zu solchen Ängsten kommen kann, obwohl einem selbst nichts Negatives widerfahren ist.

Opfer des Betonplatten-Werfers von Geseke ist traumatisiert

Ein Mann (21) aus Geseke in Nordrhein-Westfalen soll insgesamt drei Mal Betonplatten von einer Autobahnbrücke geworfen haben – anschließend verschickte er offenbar Briefe an den Automobilhersteller Daimler, in denen er hohe Geldsummen forderte. Lidia war mit einem Sprinter auf der Autobahn unterwegs, als die Betonplatte das Dach des Wagens durchschlug. Die Beifahrerseite des Wagens wurde dabei völlig zerstört – die 25-Jährige hatte unfassbares Glück, dass die Platte nicht wenige Zentimeter weiter links landete. Seit dem Vorfall ist sie traumatisiert, kann sich nicht mehr ins Auto setzen. Sie möchte sich nun therapeutische Hilfe suchen.

Warum haben viele Menschen ein mulmiges Gefühl, wenn sie unter einer Brücke hindurchfahren?

Dass Lidia nach dem schrecklichen Vorfall Angst hat, kann wohl jeder nachvollziehen. Wie aber kommt es, dass auch Menschen Angst haben, die von einem solchen Fall nur in den Medien lesen?

"Menschen haben unterschiedliche Grade von Ängstlichkeit. Dass solche Ängste dann nach bestimmten Ereignissen auftreten, kommt häufig vor. Das ist erst mal eine ganz normale Reaktion und auch eine Art Schutzmechanismus", erklärt Dr. Stefan Röpke, Leiter des Bereichs Persönlichkeitsstörungen, Posttraumatische Belastungsstörung sowie der Autismusambulanz an der Berliner Charité. Auch dass Leute nach solchen Ereignissen, die groß in den Medien thematisiert würden, eine richtiggehende Angst entwickelten, komme vor. "Nach dem 11. September haben beispielsweise viele Leute, die in anderen Hochhäusern gewohnt haben, ihre Wohnungen dort gekündigt. Obwohl die Wahrscheinlichkeit, dass soetwas noch mal passiert, natürlich sehr gering ist."

Solche Ängste können sich laut des Psychiaters sogar so weit entwickeln, dass es sogar zu sogenanntem Vermeidungsverhalten komme – dass man sich also in seinem Alltag einschränke, beispielsweise nicht mehr oder nur noch unter extremer Anspannung unter einer Autobahnbrücke entlangfahren könne. Irgendwann komme eventuell auch die "Angst vor der Angst" hinzu – dann sei es egal, ob auf der Brücke noch jemand stehe.

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Was treibt die Täter an?

Doch was geht eigentlich in den Menschen vor, die Gegenstände von einer Autobahnbrücke werfen? "Das kann man nicht verallgemeinern, da gibt es sehr große Unterschiede. Das geht von Kinderstreichen oder Mutproben über Menschen, die unter Drogen- oder Alkoholeinfluss stehen, bis hin zu Menschen mit schweren psychischen Erkrankungen oder Wahnvorstellungen", erklärt Röpke.

Was in dem jungen Mann aus Geseke vorgegangen ist, als er mutmaßlich die Betonplatten von der Brücke warf, müssen nun Gutachter und schlussendlich ein Gericht klären.