Nach Sperma-Tausch in Labor: US-Familie sucht weitere Betroffene

19. Januar 2014 - 19:24 Uhr

"Einen Halbgeschwisterteil zu heiraten, wäre verheerend"

Nach der Enthüllung eines vermutlich absichtlichen Sperma-Tauschs in einem US-Labor für künstliche Befruchtung sucht eine Familie nach weiteren Betroffenen. Ein inzwischen verstorbener Angestellter soll Paaren sein Sperma untergeschoben haben. Wie viele Kinder der mutmaßliche Sperma-Tauscher auf diese Weise gezeugt hat, könnte für immer sein Geheimnis bleiben.

Sperma-Tausch in US-Labor: Familie sucht nach weiteren Betroffenen
Thomas Lippert arbeitete in einer Fruchtbarkeitsklinik und soll Paaren heimlich sein Sperma untergeschoben haben.
© dpa, yourgeneticgenealogist.com

Lebt im Westen der USA eine Großfamilie aus Menschen, die sich noch nie begegnet sind? Genau das will Familie Branum jetzt herausfinden. Im Internet ruft sie ehemalige Kunden der Befruchtungsklinik Reproductive Medical Technologies (RMTI) dazu auf, sich DNA-Tests zu unterziehen, um die Identität ihrer Kinder klären zu lassen. Vor rund einer Woche war bekannt geworden, dass der Labor-Angestellte Thomas Lippert die heute 21 Jahre alte Annie gezeugt hatte. Die Familie befürchtet, Lippert könnte Hunderten weiteren Paaren heimlich sein Sperma untergeschoben haben.

"Das hier wird einen Schneeballeffekt auslösen", sagt Pam Branum. Zufällig entdeckte sie nach einem Gentest, dass nicht ihr Mann John der Vater ihrer heute 21 Jahre alte Tochter Annie ist, sondern Lippert. Ihre größte Sorge: Unbekannte Verwandte könnten sich sonst begegnen, verlieben und Nachwuchs zeugen. "Einen Halbgeschwisterteil zu heiraten, wäre verheerend", warnt sie vor dem Inzest-Problem.

Bisher habe sich bereits eine möglicherweise ebenfalls betroffene Frau gemeldet. Es könnte allerdings noch einige Wochen dauern, bis ihr DNA-Ergebnis vorliegt. Branum sagt über die Frau: "Sie sieht aus wie meine Tochter".

"Die Erinnerung wird im Laufe der Zeit getrübt"

Doch die Aufklärung des Falls gestaltet sich schwierig: Thomas Lippert ist inzwischen verstorben und die Befruchtungs-Praxis geschlossen. Eine Sprecherin der Universität Utah, dem Auftraggeber des geschlossenen Labors, kann weder erklären, wie lang Lippert für das RMTI arbeitete, noch erläutern, warum es geschlossen wurde. Die dazu notwendigen Akten seien verloren. "Die Erinnerung wird im Lauf der Zeit getrübt. Es gibt nur noch eine Handvoll Menschen, die sehr vage Erinnerungen haben."

Noch verwunderlicher scheint, dass Lippert den Job überhaupt bekam. Wegen einer Entführung im Jahr 1974 saß er zwei Jahre im Gefängnis. Überprüfungen der Zuverlässigkeit habe es bis Mitte oder Ende der 1990er Jahre nicht gegeben, so die Sprecherin. Die Universität erklärte Familie Branum, Lipperts Samenspender-Nummer müsse aus Datenschutzgründen unter Verschluss bleiben.

Seiner Witwe, Jean Lippert, wurde jedoch gesagt, eine solche Nummer gäbe es überhaupt nicht. Ihr gegenüber hatte Lippert beteuert, eingetragener Spender zu sein. Deshalb verwunderte es die Witwe auch nicht, dass er ein Baby-Foto in seinem Portemonnaie trug und das Kind darauf stets als seinen Sohn bezeichnete - andernfalls wäre sein Familien- Geheimnis womöglich früher entdeckt worden.

Doch was war das Motiv des 1999 verstorbenen Alkoholikers? "Ich glaube, es war Absicht", sagt Jean Lippert. "Wenn er es einmal getan hat, hat er es wohl mehrmals getan". Baby-Fotos, die frisch gebackene Eltern aus Dank für ihren endlich erfüllten Kinderwunsch in seine Praxis brachten, klebte er wie Trophäen über seinen Schreibtisch. "Es war seine Angeber-Tafel", erinnert sich Branum an die Foto-Collage.