12. Juli 2019 - 11:51 Uhr

Der jüngste Verdächtige ist gerade mal elf Jahre alt

Eine mutmaßliche Vergewaltigung und Grapsch-Attacken in Mülheim, in Herne eine versuchte Vergewaltigung: Es ist kaum zu fassen, dass Kinder an allen diesen Verbrechen beteiligt gewesen sein sollen - der jüngste Verdächtige ist gerade einmal elf Jahre alt. Was sind die Ursachen der Kinderkriminalität?

Werden die Straftäter immer jünger?

"Ich habe nicht die Erfahrung gemacht, dass Straftäter immer jünger werden", sagt Richter und Autor Stephan Zantke im RTL-Interview. Laut der polizeilichen Kriminalitätsstatistik ist bei den Kindern unter 14 Jahren allerdings die Anzahl sexueller Straftaten angestiegen - von 1.420 im Jahr 2016 auf 2.118 im Jahr 2018. 

Warum sind die Kinder so brutal?

Laut der Psychologin Jana Miethwenz aus Suhl sind die Kinder entweder selbst bereits Opfer von sexueller Gewalt geworden oder haben zumindest häufig sexuelle Gewalt in ihrem Umfeld beobachtet. "Man kann davon ausgehen, dass es zu ihrem Alltag gehört", sagt sie im Interview mit RTL. Außerdem vermutet Miethwenz, dass eine gewisse Gruppendynamik dazu führen könnte, dass der eine den anderen "in Härte und Größe überbieten" wollte.

Gibt es kulturelle Ursachen?

Warum werden Kinder zu Vergewaltigern?
In der Nähe dieses Gebüsches, das am Radschnellweg in Mülheim liegt, soll eine junge Frau von einer Gruppe Jugendlicher überfallen und sexuell missbraucht worden sein.
© dpa, Roland Weihrauch, rwe gfh

Kriminologe Professor Christian Pfeiffer: "Es gibt immer dann ein Problem, wenn wir sozial randständige Gruppen haben, die Zuschauer am Wohlstand der anderen sind. Die sich selbst hier noch nicht richtig zu Hause fühlen, weil sie erst gekommen sind und die in einer Macho-Kultur aufgewachsen sind." Problematisch wird es also vor allem dann, wenn Jungs sich zur Not mit Gewalt durchsetzen müssen - und das nicht nur in Zuwandererfamilien.

Wie sollte mit straffälligen Kindern umgegangen werden?

Auch wenn bereits diskutiert wird, das Alter für Strafmündigkeit von 14 auf 12 Jahre herabzusetzen: Straffällige Kinder wegzusperren, löst laut Zantke das Problem nicht. Eine Jugendstrafanstalt bleibe trotz Personal und Ausbildungsmöglichkeiten ein Gefängnis. Erfolgversprechender: "Ein sozialpädagogisches Heim, in das Jugendliche mit elf oder zwölf Jahren hineinkommen und dort intensiv betreut werden, aber nicht weg können, wäre aus meiner Sicht die richtige Lösung", so der Richter.

Warum auch die Jugendämter helfen wollen, es aber oft nicht können, sehen Sie im Video.