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Nach Selbstmord eines Abgeschobenen: Stolpert Seehofer über seinen makabren Spruch?

Seehofer bedauert Sellbstmord des abgeschobenen Afghanen
Seehofer bedauert Sellbstmord des abgeschobenen Afghanen Asylbewerber hatte sich in Kabul das Leben genommen 00:35

"Das ist zutiefst bedauerlich, und wir sollten damit auch sachlich und rücksichtsvoll umgehen"

Eine Woche nach seiner Abschiebung aus Deutschland hat sich ein junger Afghane in Kabul erhängt. Dessen Abschiebung hatten zwar die Behörden in Hamburg angeordnet - trotzdem erhöht sich durch den Suizid des 23-Jährigen der Druck auf Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU). Der äußerte sich betroffen über den Tod des Mannes. "Das ist zutiefst bedauerlich, und wir sollten damit auch sachlich und rücksichtsvoll umgehen", sagte Seehofer am Mittwochabend. 

Seehofer bedauert seinen Tonfall nicht

Der Flüchtling sei dem Innenministerium von der Stadt Hamburg für die Abschiebung gemeldet worden. "Die Bundesländer führen uns diese Personen zu, und wir unterstützen die Bundesländer bei diesen Abschiebungen." Man müsse die Hamburger Behörden fragen, "warum sie diese Person vorgeschlagen haben". 

Am Mittwoch war bekannt geworden, dass sich einer der 69 afghanischen Asylbewerber des jüngsten Abschiebeflugs aus Deutschland in der afghanischen Hauptstadt Kabul das Leben genommen hat. Einen Tag zuvor hatte Seehofer mit verschmitztem Gesicht und einem launigen Spruch zu den Abschiebungen gesagt: "Ausgerechnet an meinem 69. Geburtstag sind 69 - das war von mir nicht so bestellt - Personen nach Afghanistan zurückgeführt worden. Das liegt weit über dem, was bisher üblich war." Mehrere Politiker forderten den Rücktritt Seehofers als Innenminister.

Seehofer freut sich über 69 Abgeschobene
Seehofer freut sich über 69 Abgeschobene Einer von diesen hat sich nun in Afghanistan erhängt 00:22

"Abschiebungen eignen sich nicht für Scherze"

Seinen Tonfall bedauerte Seehofer am Mittwoch nicht: "Das wusste ich gestern nicht. Das ist heute in der Früh bekannt geworden", sagte er über den Selbstmord des Asylbewerbers. Er, Seehofer, habe am Dienstag gesagt: "Wie das Leben oft so spielt. Hab sogar noch dazu gesagt: Nicht organisiert. Und dann wird da etwas draus gemacht." Die Grünen-Fraktionsvorsitzende Katrin Göring-Eckardt mahnte: "Abschiebungen eignen sich nicht für Scherze." Bei Seehofer seien Entscheidungen über Menschenleben deshalb "in schlechten Händen". 

Die Linke-Innenpolitikerin Ulla Jelpke sagte, Seehofer habe "ganz offenbar ein unheilbares Defizit an Mitmenschlichkeit". Es sei höchste Zeit, dass Bundeskanzlerin "Merkel den Mann rausschmeißt". Sie forderte auch ein Ende der Abschiebungen nach Afghanistan. "Die Lage dort wird immer schlimmer, aber Deutschland weitet die Abschiebungen aus. Es war nur eine Frage der Zeit, bis das tödliche Folgen hat."

Mitarbeiter des afghanischen Flüchtlingsministeriums hatten der Deutschen Presse-Agentur am Mittwoch gesagt, der junge Mann sei am Dienstag in einer von der Internationalen Organisation für Migration (IOM) zur Verfügung gestellten vorübergehenden Unterkunft in Kabul tot aufgefunden worden. Er stamme aus der nordafghanischen Provinz Balkh und habe acht Jahre in Deutschland gelebt.

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