Allen Versprechen zum Trotz: Die Schulen und Kitas in Berchtesgaden sind flächendeckend dicht

Corona-Krise: Müssen es die Kinder jetzt doch wieder ausbaden?

von Laura Maria Weber

Jetzt sind sie doch wieder zu - die Schulen und Kitas im Berchtesgadener Land in Bayern sind dicht. Es sollte die allerletzte Maßnahme sein, die Bildungs- und Betreuungseinrichtungen zu schließen – das zumindest hat die Politik in den letzten Wochen immer wieder propagiert. Die Leidtragenden scheinen jetzt aber wieder die Kinder zu sein. Laut Lehrerverband hat sich seit dem dem letzten Lockdown bei der Digitalisierung nur wenig getan und die Schüler müssen immer noch die Lerndefizite durch den Schulausfall der ersten Corona-Welle aufholen. Ist der bayerische Ministerpräsident Markus Söder (CSU) mit den Schließungen zu weit gegangen?

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Söder: "Es wird auch Distanzunterricht geben"

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Wenn es nicht anders gehe, könne es wieder zu Lockdowns kommen. Es sei dennoch die oberste Priorität, die Schulen so lange wie möglich offen zu halten. Die Situation könne für viele Eltern aber zur Belastungsprobe werden, denn „es wird Distanzunterricht geben“, sagt Söder.
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Im Berchtesgadener Land habe man jetzt gut reagiert bei über 200 Inzidenzen, sagt der bayerische Ministerpräsident Söder auf einer Regierungserklärung im bayerischen Landtag. Wenn es nicht anders gehe, könne es wieder zu Lockdowns kommen. Es sei dennoch die oberste Priorität, die Schulen so lange wie möglich offen zu halten. Die Situation könne für viele Eltern aber zur Belastungsprobe werden, denn „es wird Distanzunterricht geben“, sagt Söder.

Den Schülern sollen, laut Söder, bei ihren Abschlüssen durch die Corona-Krise keine Nachteile entstehen. Aber es müsse klar sein, „wenn es mehr Distanzunterricht gibt und wenn Unterricht mal ausfallen muss, dann müssen auch die Lehrpläne und Prüfungen ein Stück weit angepasst werden. Und ich wünsche mir, ähnlich flexibel wie Schüler und Eltern sind, dass auch diese Dinge in der Schulbürokratie umgesetzt werden.“ Klar sei ebenso, dass komplette Schulschließungen auf Dauer keinem gut täten und in Bayern nicht gewollt seien.

Lehrerverband: "Wir müssen Worst-Case wie Schulschließungen in Berchtesgaden verhindern"

Dass die Schulen weiter offenbleiben, sei für alle wichtig, sagt der Präsident des Lehrerverbandes Heinz-Peter Meidinger im RTL-Interview. „Um sie offen zu halten, müssen wir jetzt aber verstärkt auch Vorsichtsmaßnahmen treffen.“ Was Meidinger Sorge mache, seien die Inzidenzzahlen von 100 und mehr in vielen Kommunen und Landkreisen und fast nirgends werde in den Wechselbetrieb geschaltet. Das lasse die Sorge wachsen, dass sich die Politik nicht mehr an ihre eigenen Regeln halte, sondern die Schulen auf Teufel-komm-raus offen lasse. „Den kompletten Worst-Case, so wie es jetzt in Berchtesgaden passiert, wollen wir vermeiden und da kann es eben notwendig sein, dass da wieder ein Wechselbetrieb eingeführt werden muss, um generelle Schulschließungen zu verhindern“, sagt Meidinger.

Das große Problem sei, dass die Abstandsregeln, bei vollen Klassen nicht eingehalten werden könnten. „Da brauchen wir Kompensationsmaßnahmen, das ist natürlich nicht so einfach. Das eine sind die Masken auch im Unterricht, das andere sind Lüftungskonzepte. Da hat aber das Umweltbundesamt ganz klar gesagt, dass Räume, die man nicht richtig stoß- und querlüften kann, für den Unterricht gesperrt werden“. Es gebe bislang aber keine Aufstellung in den verschiedenen Bundesländern darüber, welche Räume da gesperrt werden müssten. Da drücke sich die Politik vor, so der Präsident des Lehrerverbandes.

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Schülervertreter warnen vor Online-Unterricht: „Wir haben gesehen, dass das nicht gut läuft"

Eigentlich müssten Politik und Kultusministerien Lehren aus dem ersten Lockdown für die Bildung der Schüler gezogen haben. Doch was den Stand der Digitalisierung an Schulen, die Internetversorgung und die Möglichkeiten des digitalen Unterrichts betrifft, ist hier an vielen Schulen wenig passiert, sagt auch der Lehrerverband mit Besorgnis. „Wir stellen fest, dass wir bei der Digitalisierung Schüler verloren und während des Lockdowns nicht erreicht haben und ich fürchte wir sind nicht besser aufgestellt als damals. Was Lernplattformen betrifft und schnelleres Internet an den Schulen selbst – da hat sich leider nicht viel getan.“

Auch die Schülervertreter warnen davor, wieder auf reinen Online-Unterricht umzusteigen. „Wir haben gesehen, dass das nicht gut läuft und die Schulen vielerorts nicht darauf vorbereitet sind“, sagt der Sprecher der Bundesschülerkonferenz, Torben Krauß.

Der Kernpunkt sei, dass die digitale Ausstattung der Schulen auch mit der digitalen Kompetenz von Lehrkräften verbunden sei, erklärt der Präsident des Lehrerverbandes im RTL-Interview. „Also wenn an der Schule keine digitalen Geräte da sind, kein schnelles Internet da ist, dann fällt es natürlich auch den Lehrern schwer, sich auf diese Technik einzustellen, leider haben wir da noch wenig Fortschritte gemacht.“

Wie der Bundeselternrat zu Schulschließungen steht, sehen Sie hier.

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