Warum? Wie oft? Wo?

Nach Prügel-Skandal in Bezirksliga: Forscherin erklärt Gewalt gegen Schiedsrichter

30. Oktober 2019 - 18:53 Uhr

Rund 57.000 Schiedsrichter pfeifen Spiele in deutschen Amateurligen. Und immer wieder werden einige von ihnen Opfer von Gewalt. Jüngst schlug ein Spieler einen Schiedsrichter sogar bewusstlos. Wird der Fußball immer brutaler?

Das sagt die Expertin

Zumindest gebe es mehr Fälle von Gewalt als in anderen Sportarten, berichtet Thaya Vester von der Universität Tübingen. Das liege daran, dass so viele Menschen Fußball spielen. Der Trend, dass Schiedsrichter Opfer von Gewalt werden, sei eher rückläufig. Nur vereinzelt stiegen die Zahlen an.

Problematisch: Der Fußball bringe eine gewisse Anfälligkeit mit, sagt die Forscherin. Zu tun habe das mit der Beschaffenheit des Spiels. "Einerseits ist es ein Kontaktsport, andererseits ist das Spiel anders aufgebaut als beispielsweise Handball. Dort fallen mehr Tore, wenn der Schiedsrichter falsch pfeift, ergibt sich schnell die Möglichkeit den Spielstand wieder zu ändern. Beim Fußball ist das nicht der Fall."

Und genau deshalb stehen die Schiedsrichter so häufig im Mittelpunkt, erst recht, wenn sie allein auf dem Feld stehen. "Da sind die Schiedsrichter deutlich fehleranfälliger."

Bei einem Spiel des FSV Münster schlug ein Spieler den Schiedsrichter zu Boden
Bei einem Spiel des FSV Münster schlug ein Spieler den Schiedsrichter zu Boden
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Gewalttaten häufen sich im Herbst

Vester zeigt sich wenig überrascht davon, dass ausgerechnet im Herbst Schlagzeilen über Gewalt im Fußball zu lesen sind. "Es gibt saisonale Schwankungen: Im Herbst steigt die Anzahl solcher Vorfälle, zu Beginn der Saison sind sie dagegen immer niedrig."

Räumlich gesehen komme es vor allem in Ballungszentren besonders häufig zu Gewalttaten, weswegen etwa Stadtstaaten wie Hamburg und Berlin, aber auch NRW mehr Probleme als die Flächenstaaten hatten.

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Schiris fühlen sich weiterhin sicher

Im Rahmen ihrer Doktorarbeit hat die Forscherin Schiedsrichter aus dem Württembergischen Fußballverband gefragt, wie sicher sie sich fühlen. 96 Prozent der rund 2.600 Befragten fühlten sich zumindest "häufig" sicher.

Gibt es eigentlich Spielergruppen, die besonders auffällig werden? Einwechselspieler, sagt Vester. Zu diesem Schluss kam sie nach einer Auswertung von Sportgerichtsurteilen. Gründe könnten der Frust über das Einwechselspieler-Dasein oder angestaute Emotionen sein.

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