15. März 2019 - 16:54 Uhr

Terrorismus-Forscher warnt vor Nachahmern

Steigt nach dem Anschlag von Christchurch in Neuseeland mit vielen Toten die Wahrscheinlichkeit, dass wir solche rechten Angriffe auch in Deutschland erleben? Für Terrorismusforscher Prof. Peter Neumann besteht diese Gefahr durchaus. Für ihn steht fest, dass die Bluttat auch zum Ziel hatte, Nachahmer zu motivieren, wie er im Video sagt. Und in Deutschland ist die rechtsextreme Szene durchaus aktiv.

Deutsche Rechtsextremisten wollen „Bürger exekutieren und Briefbomben verschicken“

Grieving members of the public following a shooting at the Al Noor mosque in Christchurch, New Zealand, March 15, 2019. REUTERS/SNPA/Martin Hunter  ATTENTION EDITORS - NO RESALES. NO ARCHIVES     TPX IMAGES OF THE DAY
Trauer und Entsetzen nach dem Blutbad im neuseeländischen Christchurch.
© REUTERS, Stringer ., KC/TC

Laut Prof. Neumann gibt es gut organisierte internationale Netzwerke von extremen Rechten. Sie kennen sich zum Teil sehr gut, stehen in intensivem Kontakt. Auch der norwegische Massenmörder Anders Breivik hatte einen rechtsradikalen Hintergrund. Er hatte als Motiv für seinen Gewaltexzess mit 77 Toten unter anderem eine "fortschreitende Islamisierung Norwegens" angegeben. Der Angreifer von Christchurch verbreitete ein rechtsextremes Manifest, in dem unter anderem Angela Merkel mit dem Tod droht. 

Auch wenn die tatsächliche Bedrohungslage nicht exakt beurteilt werden kann, müssen die Behörden wachsam sein: Erst am Donnerstag berichtete die Berliner Staatsanwaltschaft über Ermittlungen gegen die sogenannte "NSU 2.0". Politiker, Behörden, Gerichte, Institutionen und Prominente erhalten seit Monaten Drohungen von mutmaßlichen Rechtsextremen. In mehr als 100 Mails finden sich Formulierungen wie: "Bürger exekutieren" und "bundesweit Briefbomben verschicken".

Zuletzt weniger rechte Straftaten - aber kein Grund zur Entwarnung

Zuletzt war die Zahl rechter Gewalttaten rückläufig (Grafik: Bundesamt für Verfassungsschutz)
Zuletzt war die Zahl rechter Gewalttaten rückläufig (Grafik: Bundesamt für Verfassungsschutz)

Obwohl die Zahl rechtsextremistischer Straf- und Gewalttaten zuletzt laut Bundesamt für Verfassungsschutz deutlich zurückgegangen ist, gibt es keinen Grund zur Entwarnung. "Sinkende Gewalttatenzahlen dürfen nicht über das anhaltend hohe Gefährdungspotenzial hinwegtäuschen", so die Behörde.

  • Insgesamt werden der rechtsextremen Szene 24.000 Menschen zugeordnet.
  • Davon gelten 12.700 als gewaltbereit.
  • Offiziell gab es in Deutschland laut Bundesregierung (Stand 25. Januar 2019) seit der Wiedervereinigung 85 Todesopfer rechter Gewalt.
  • Die tatsächliche Anzahl könnte deutlich höher liegen. "Tagesspiegel" und "Die Zeit" berichten von 169 Toten, dies sei das Ergebnis einer gemeinsamen Langzeitrecherche.

Chemnitz, NSU - immer wieder rechte Gewalt

03.07.2018, Bayern, München: Die Angeklagte Beate Zschäpe sitzt im Gerichtssaal des Oberlandesgericht zwischen ihren Anwälten Hermann Borchert (l) und Mathias Grasel (r). Im Münchner NSU-Prozess werden Zschäpe und vier mitangeklagte mutmaßliche Helfe
Beate Zschäpe wurde für die NSU-Morde zu lebenslanger Haft verurteilt.
© dpa, Peter Kneffel, kne jhe

In der Vergangenheit gab es immer wieder Fälle rechter Gewalt, die überregional Aufmerksamkeit erregten. Im vergangenen Sommer kam es in Chemnitz nach dem Tod eines 35-Jährigen tagelang zu fremdenfeindlichen Proteste und Ausschreitungen

Im Juli 2018 endete der Prozess um die "Nationalsozialistische Offensive" (NSU) mit einer lebenslangen Freistrafe für die Hauptangeklagte Beate Zschäpe.