Hat die Marine sich nicht an die Vorschriften gehalten?

Nach Minen-Sprengung in der Ostsee: Schon 30 tote Schweinswale gefunden

10. Januar 2020 - 23:07 Uhr

Wurden die Schweinswale durch die Sprengung getötet?

Nach einer umstrittenen Sprengung von Kriegsminen im Naturschutzgebiet Fehmarnbelt in der Ostsee sind mittlerweile 30 tote Schweinswale gefunden worden. Die Tiere sind streng geschützt. Jetzt wird geprüft, ob ein Zusammenhang besteht. Doch das ist noch nicht alles. Die Marine soll bei der Sprengung auch noch gegen Vorschriften verstoßen haben.

Marine soll bei der Sprengung in der Ostsee gegen Vorschriften verstoßen haben

Schweinswal in der Ostsee
Nach einer umstrittenen Sprengung in der Ostsee sollen 30 Schweinswale verendet sein.
© dpa, Ingo Wagner, reh fdt tba bra lre kat wst pil

Unmittelbar nach der Sprengung im August waren innerhalb eines Monats 18 Tote Schweinswale gefunden worden. Inzwischen sind es 30 tote Tiere. Das Bundesamt für Naturschutz will jetzt die Todesursache der Wale genauer untersuchen lassen. Die Kadaver wurden in einem größeren Küstengebiet von Strandungsnetzen aufgefangen, sagte Ursula Siebert von der Tierärztlichen Hochschule Hannover. Mit Ergebnissen rechnet sie Ende Februar.

Das Vorgehen der Marine, die bei einem Nato-Manöver 42 Kriegsminen in dem Gebiet Fehmarnbelt sprengte, ist umstritten. Ein Gutachten des Bundestages untermauert, dass die Marine gegen Informationspflichten verstieß. Das Bundesamt für Naturschutz sei nicht wie vorgeschrieben vorab informiert worden, erklärte das Umweltministerium. Bei zu erwartenden erheblichen Artenschutz-Schäden müsse es zudem eine Umweltverträglichkeitsprüfung geben.

„Fahrlässig und verantwortungslos“

Scharfe Kritik kam auch vom schleswig-holsteinischen Umweltminister Jan Philipp Albrecht (Grüne). Die Bundeswehr hätte sich mit den Naturschutzbehörden zwingend über die Minensprengungen abstimmen müssen. "Dass dies offenbar unterblieben ist, ist fahrlässig und verantwortungslos."

Die Bundeswehr müsse sich in Zukunft bei derartigen Sprengungen mit den Naturschutzbehörden abstimmen, um zu gewährleisten, dass die Tier- und Pflanzenwelt bestmöglich und unter Beachtung aller rechtlichen Vorgaben geschützt werde. Ein Sprecher des Verteidigungsministeriums sagte, es liefen Gespräche, um zu verhindern, dass so etwas noch einmal passiere.

Quelle: dpa, RTL.de