Nach Mias Tod: Tausende rechte Demonstranten ziehen durch Kandel

03. März 2018 - 19:44 Uhr

Vor rund zwei Monaten wurde Mia (15) von ihrem Ex-Freund erstochen

Kandel kommt nicht zur Ruhe. Rund zwei Monate nachdem die 15-jährige Mia von ihrem Ex-Freund, einem afghanischen Flüchtling, in einem Drogeriemarkt erstochen wurde, ziehen tausende Demonstranten durch die Kleinstadt in Rheinland-Pfalz.

Malu Dreyer warnt vor Hass und Hetze

Der Gewaltsame Tod der Schülerin erhitzt weiterhin die Gemüter. Die rechtspopulistische Initiative 'Kandel ist überall' organisierte einen Protestzug gegen "illegale Massenmigration". Zu der Kundgebung hatten AfD-Politiker aufgerufen. Das Bündnis 'Wir sind Kandel' aus Vereinen, Initiativen, Gewerkschaften, Parteien und Kirchengemeinden startete eine Gegendemonstration. Die Polizei war mit einem Großaufgebot im Einsatz, um Zusammenstöße der Demonstranten zu verhindern.

Die rheinland-pfälzische Ministerpräsidentin Malu Dreyer (SPD) warnte vor Hass und Hetze. "Ich sehe mit Erschrecken, wie hier eine Tat für pauschalen Fremdenhass instrumentalisiert wird", erklärte Dreyer. Sie stehe an der Seite von Bürgern aus Kandel, die sich unter dem Motto 'Wir sind Kandel' für Miteinander und gegen Hass engagierten, betonte Dreyer.

Demonstrationen in Kandel verliefen weitgehend friedlich

Die Polizei rechnet vor den Demonstrationen mit insgesamt 2.500 Teilnehmern, es gebe vier Anmeldungen für verschiedene Kundgebungen. Am Ende gingen deutlich mehr Menschen auf die Straße: Über 4.500 Demonstranten zogen durch den Ort, der gerade einmal rund 8.500 Einwohner hat.

Der Tod des Mädchens hatte auch eine bundesweite Diskussion über die Altersfeststellung junger Flüchtlinge ausgelöst. Der mutmaßliche Mörder ist laut einem Gutachten mindestens 17,5 Jahre alt, wahrscheinlich aber etwa 20 - bisher galt er bei den Behörden jedoch als 15-Jähriger. Damit gilt er als Heranwachsender und nicht als Erwachsener im strafrechtlichen Sinn.