Nach Messerattacke: Kölner Oberbürgermeisterin Henriette Reker tritt Amt an

"Ich hatte Sorge, dass ich gelähmt bin."

Einen Tag bevor sie vergangenen Monat zur Kölner Oberbügermeisterin gewählt wurde, sticht ein Mann Henriette Reker am Wahlstand nieder. Jetzt konnte die parteilose Politikerin endlich ihr Amt antreten und zeigte sich entschlossen: "Ich bin wieder da - und von Tag zu Tag mehr. Das Attentat hat meine Entschiedenheit und Entschlossenheit gefestigt."

Henriette Reker gestikuliert bei ihrer Rede
Henriette Reker bei ihrem ersten öffentlichen Auftritt nach der Messerattacke.
dpa, Oliver Berg

Sie schloss auch eine Täter-Opfer-Begegnung mit dem Attentäter nicht aus, noch sei sie dazu allerdings nicht bereit. Mit Blick auf die Attentate in Paris äußerte Reker sich auch zur Sicherheitslage in Köln: "Ich bin zutiefst davon überzeugt, dass wir unseren Lebensstil nicht ändern sollten."

Jetzt will sie ihre erste Amstperiode als Kölner Oberbürgermeisterin tatkräftig angehen: "Wenn man einen so hohen Preis bezahlt hat, wie ich, dann möchte man auch die Früchte ernten." Reker gab auch Einblick in ihre Gedanken unmittelbar nach der Messerattacke: "Ich war keine Sekunde bewusstlos, hatte keine Todesangst. Aber ich hatte Sorge, dass ich gelähmt bleibe"

Sie bedankte sich auch für die Anteilnahme der Kölner Bürger nach dem Attentat: "Ich habe hunderte Briefe, Mails und SMS bekommen. Ich hatte das Gefühl, die Kölner haben das als Angriff auf ihre Stadt empfunden." Zeitweise lag die Politikerin im künstlichen Koma.

Zuletzt ging ihre Genesung gut voran, wie die Stadt mitteilte. Reker kümmerte sich deshalb bereits vom Krankenbett aus um wichtige Angelegenheiten. Die Ermittler vermuten fremdenfeindliche Motive bei dem Angreifer. Reker war zuvor als Sozialdezernentin zuständig für die Flüchtlinge in Köln gewesen. Die offizielle Amtseinführung soll am 15. Dezember stattfinden