Nach Messerattacke in Chemnitz: Demonstranten zünden Böller und Raketen

Chemnitz: Demonstranten der rechten Szene zünden Bengalos.
Chemnitz: Demonstranten der rechten Szene zünden Bengalos.
© dpa, Jan Woitas, kno

27. August 2018 - 23:25 Uhr

1.000 Gegendemonstranten wollen rechter Szene die Stirn bieten - rechtes Lager bleibt in der Überzahl

Die tödliche Messerattacke auf einen 35-jährigen Deutschen hatte schon gestern hunderte Menschen zu gewaltsamen Demonstrationen in Chemnitz veranlasst. Doch auch einen Tag später gehen die Krawalle in der sächsischen Stadt weiter. Am Montagabend haben sich mehrere Tausend Menschen zu Protestdemonstrationen versammelt. Allein an der von Rechten getragenen Kundgebung "Pro Chemnitz" beteiligten sich nach Schätzungen weit mehr als 2.000 Menschen. Auf der anderen Seite hatten sich mehr als 1.000 Gegendemonstranten zusammengefunden. Verletzte aus beiden Lagern mussten ins Krankenhaus gebracht werden, wie die Chemnitzer Polizei twitterte.

Die Stimmung sei "zunehmend aggressiv" gewesen

Nachdem mehrere Böller explodierten und eine Rakete aus den Reihen der rechten Demonstranten gezündet wurde, setzte sich ein Marschzug in Bewegung. Die Polizei versuchte mit einem Großaufgebot von Beamten und Fahrzeugen, beide Lager zu trennen. Wasserwerfer wurden vorsichtshalber aufgefahren, um bei einer weiteren Eskalation die Lage unter Kontrolle zu halten. Die Stimmung sei "zunehmend aggressiv" gewesen, twitterte die Polizei weiter. Die Polizei spricht von über 100 vermummten Männern, die Steine geworfen haben sollen. Auch Gegenstände seien geflogen. Seitens der rechten Szene sollen zudem Hitlergrüße zu hören gewesen sein.

Polizeieinsatz geriet außer Kontrolle

Die beiden Demonstrationen wurden nun aufgelöst. Die Polizei räumt Personalmangel in den eigenen Reihen ein. Man habe mit einigen Hundert Teilnehmern gerechnet und sich entsprechend vorbereitet, aber nicht mit einer solchen Teilnehmerzahl. "Der Einsatz verlief nicht störungsfrei." Die Polizei will auch in der Nacht präsent bleiben.