Ansteckung von Amts wegen?

So unterschiedlich wird Merkels Homeoffice-Appell in staatlichen Behörden umgesetzt

So schlecht wird Merkels Homeoffice-Appell in staatlichen Behörden umgesetzt
So schlecht wird Merkels Homeoffice-Appell in staatlichen Behörden umgesetzt
© dpa, Tobias Hase

15. April 2021 - 18:07 Uhr

von Simon Steioff

In der sogenannten "Bundesnotbremse", also dem neue Infektionsschutzgesetz gibt es einen wichtigen Appell an alle Unternehmen, wo immer möglich, ihre Mitarbeiter ins Homeoffice zu schicken.

Aber wie sieht es eigentlich beim Staat selbst aus? Wie viele Beamte arbeiten von zu Hause? Der Blick auf die Finanzämter der einzelnen Bundesländer zeigt ein sehr unterschiedliches Bild, wie eine RTL-Recherche ergab.

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Durchschnittlich nur etwas mehr als die Hälfte der Mitarbeiter im Homeoffice

Finanzämter sind eigentlich der perfekte Arbeitsplatz für Homeoffice. Denn schon vor der Corona-Pandemie gab es dort die Möglichkeit der so genannten "Telearbeit". Elektronische Steuererklärung (für Arbeitnehmer freiwillig, für Unternehmer Pflicht), eine Poststelle, die die Dokumente einscannen kann, und wenn nichts mehr geht, kann der Beamte einmal die Woche ins Amt und die Unterlagen holen. Für die "Telearbeit" braucht es nur eine "Lizenz" – also eine Freigabe vom Chef und das Home-Office muss einmalig eingerichtet werden.

Spätestens nach über einem Jahr Corona könnte also ein überwiegender Teil der Beamten im Homeoffice sein. Das Bremer Landesfinanzministerium geht sogar von einer Quote von 87 Prozent aus. Tatsächlich sind in Deutschland durchschnittlich aber nur etwas mehr als die Hälfte der Finanzbeamten im Homeoffice.

So unterschiedlich wird Merkels Homeoffice-Appell in staatlichen Behörden umgesetzt
Baden-Württemberg scheint die Homeoffice-Möglichkeiten nicht nur voll auszuschöpfen, die Landesregierung scheint die Gefahr der Pandemie auch Ernst zu nehmen.
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Spitzenreiter Baden-Württemberg

Denn die Bundesländer gehen sehr unterschiedlich mit dem Homeoffice-Appell der Bundeskanzlerin um. Nach RTL-Recherchen reicht die Quote der Finanzbeamten im Homeoffice dabei von 90 Prozent in Baden-Württemberg bis zu 23 Prozent in Thüringen.

Besonders beeindruckend: Baden-Württemberg scheint die Homeoffice-Möglichkeiten nicht nur voll auszuschöpfen, die Landesregierung scheint die Gefahr der Pandemie auch Ernst zu nehmen. Innerhalb des vergangenen Jahres hat sich die Zahl der Finanzamtsmitarbeiter im Homeoffice im Südwesten Deutschland verdoppelt.

Auch das Saarland kann eine beeindruckende Quote vorweisen. Arbeiten im März 2020 nur 23 Prozent der Finanzamtsbeschäftigen von zu Hause, sind es im April 2021 schon 80 Prozent. Eine Steigerung von 57 Prozent!

So unterschiedlich wird Merkels Homeoffice-Appell in staatlichen Behörden umgesetzt
Besonders schlecht ist die Homeoffice-Quote nach RTL-Recherchen in Thüringen, Niedersachsen und Sachsen-Anhalt.
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Schlusslichter Thüringen, Niedersachsen und Sachsen-Anhalt

Zahlen, von denen andere Bundesländer nur träumen können. Besonders schlecht ist die Quote nach RTL-Recherchen in Thüringen, Niedersachsen und Sachsen-Anhalt. War die Quote der "Telearbeiteten" in Thüringen schon vor der Pandemie unterdurchschnittlich (16 Prozent), hat die Pandemie offenbar nicht zu einem Umdenken geführt. Nach Angaben des thüringischen Finanzministerium waren im April 2021 nur sieben Prozent mehr, also rund 23 Prozent der Finanzbeamten im Homeoffice.

Besonders pikant: Thüringen hat bundesweit noch immer die höchsten Inzidenzzahlen, teilweise über 500.

Aber auch Niedersachsen und Sachsen-Anhalt sind in dieser Kategorie weit vom Wunsch der Bundesregierung entfernt. Nur jeweils rund ein Drittel der Beschäftigten arbeitet dort von zu Hause. Dabei gäbe es ein großes Potenzial. Denn sowohl in Niedersachsen, als auch in Sachsen-Anhalt müssen nur zwischen 15 und 20 Prozent der Finanzamtsmitarbeiter aufgrund ihrer Tätigkeit anwesend sein. Das heißt: Rund die Hälfte der Finanzbeamten arbeitet in Präsenz und gefährdet damit sich und auch die Kollegen, obwohl Telearbeit möglich wäre.

So unterschiedlich wird Merkels Homeoffice-Appell in staatlichen Behörden umgesetzt
In Hamburg hat man die Zeichen der Zeit hingegen offenbar erkannt und das Homeoffice während der Pandemie stark hochgefahren.
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Hamburg von Null auf 100

In Hamburg hat man die Zeichen der Zeit hingegen offenbar erkannt. Noch im März 2020 gab es so gut wie kein Homeoffice in der Finanzverwaltung. Lediglich zwei Prozent arbeiteten von zu Hause. Das hat sich im Laufe der Pandemie grundlegend geändert. Aktuell arbeiten dort zwar auch nur mittelmäßige 40 Prozent der Beschäftigten aus der Ferne. In Hamburg sind allerdings überdurchschnittlich viele Mitarbeiter unentbehrlich vor Ort, sodass mit 40 Prozent schon das Maximum erreicht ist. Ähnlich sieht es im Saarland aus – auch hier ist das kleine Bundesland spitze.

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