Nach Lkw-Anschlag auf Berliner Weihnachtsmarkt: Fahndung nach Anis Amri bringt immer mehr Details ans Licht

22. Dezember 2016 - 6:54 Uhr

Bei dem Verdächtigen handelt es sich um den 24-jährigen Anis Amri aus Tunesien

Nach dem Anschlag an der Gedächtniskirche in Berlin gibt es offenbar eine heiße Spur: Nach RTL-Informationen fahndet die Polizei nun öffentlich nach dem Täter, der mit dem Lkw über den Weihnachtsmarkt gerast sein soll. Die Polizei bittet dringend um Mithilfe: Es handelt sich dabei um Anis Amri, einen 24-jährigen Tunesier. Er ist 178 Zentimeter groß und ungefähr 75 Kilogramm schwer. Möglicherweise ist er bewaffnet. Die Bundesanwaltschaft und das BKA bitten um Ihre Unterstützung: Wer kann Angaben zu gegenwärtigen oder früheren Aufenthaltsorten der Person machen?

Ermittler des SEK stürmten zwei Wohnungen

Trauernde legen am 21.12.2016 am Anschlagsort auf dem Weihnachtsmarkt am Breitscheidplatz in Berlin Blumen nieder und zünden Kerzen an. Bei dem Anschlag mit einem Lastwagen auf den Weihnachtsmarkt an der Gedächtniskirche am Montagabend (19.12.2016) i
Nach dem Anschlag auf den Berliner Weihnachtsmarkt steht die Stadt unter Schock.
© dpa, Bernd von Jutrczenka, bvj kno

Sollten Sie Hinweise haben, bittet die Generalbundesanwaltschaft darum, das Bundeskriminalamt unter der Telefonnummer 0800-0130110 oder per E-Mail info@bka.de zu informieren. Für Hinweise, die zur Ergreifung des Beschuldigten führen, ist eine Belohnung von bis zu 100.000 Euro ausgesetzt. Das Fahndungsplakat und Lichtbilder können auf der BKA-Homepage unter www.bka.de abgerufen werden.

Die Suche nach dem dringend tatverdächtigen Anis Amri läuft auf Hochtouren. Ermittler des SEK hatten am Mittwochabend zwei Wohnungen in Berlin gestürmt. Dabei wurde ein Mann festgenommen, der sich jedoch wenig später nicht als der Gesuchte herausstellte.

Über den Tatverdächtigen kommen immer mehr Details ans Licht. Tunesische Ermittler sollen nach Angaben von Medienberichten die Familie des Gesuchten interviewt haben. Seitdem er 2010 seine Familie in der Provinz Kairouan verließ, bestehe zwischen ihnen kein Kontakt mehr, will die tunesische Zeitung 'Al Chourouk' durch einen Korrespondenten vorort erfahren haben. Berichten der Nachrichtenagentur AFP zufolge, glauben die Geschwister des Anis Amri nicht daran, dass er für die Tat verantwortlich sei.

Asylantrag im Juni 2016 abgelehnt - in Italien soll er vier Jahre inhaftiert gewesen sein

Sicherheitskreise gehen von "unmittelbar bevorstehenden Maßnahmen" in Nordrhein-Westfalen aus. Laut 'Süddeutsche Zeitung' kam er zunächst 2011 nach Italien und reiste 2015 nach Deutschland, wo er im April 2016 Asyl beantragte, jedoch nur eine Duldung erhielt. Sein Asylantrag wurde laut NRW-Innenminister Jäger im Juni 2016 abgelehnt. Der Mann habe aber nicht abgeschoben werden können, weil er keine gültigen Ausweispapiere bei sich hatte, sagte Jäger. Tunesien habe bestritten, dass es sich bei dem Mann um einen Tunesier handele. Die für die Abschiebung wichtigen tunesischen Ausweispapiere sind nach Angaben aus NRW erst zwei Tage nach dem fatalen Anschlag bei den deutschen Behörden eingetroffen.

2011 sei Anis Ari als Flüchtling nach Italien gekommen und in ein Auffanglager für Minderjährige auf Sizilien untergebracht worden sein. Nach Angaben der italienischen Zeitung 'La Stampa' habe er bereits vier Jahre im Gefägnis verbracht. Während seiner Haftstrafe im Gefängnis Ucciardone in der sizilianischen Hauptstadt Palermo soll er vermehrt "diverse Straftaten" begangen haben.

Der Verdächtige soll laut 'Bild' als islamistischer Gefährder gelten. Er habe aber noch nicht angeklagt werden können, da er untergetaucht sei. Er sei eingebettet in ein großes Islamisten-Netzwerk. Seit Dezember 2016 soll er abgetaucht sein. ​Der Mann ist den Sicherheitsbehörden nach Angaben des SPD-Innenexperten Burkhard Lischka seit Jahresbeginn bekannt.

14 Verletzte noch in Lebensgefahr

20.12.2016, Berlin, Deutschland, GER, Breitscheidplatz, Weihnachtsmarkt. Trauer um die Opfer. An dieser Stelle fuhr ein LKW am gestrigen Abend in eine Menschenmenge, 12 Menschen kamen dabei ums Leben. Zahlreiche Menschen liegen verletzt im Krankenhau
12 Menschen kamen bei dem Anschlag auf einen Weihnachtsmarkt in Berlin ums Leben.
© imago/Stefan Zeitz, imago stock&people

Der IS hatte über sein Sprachrohr Amak verbreitet, der Angriff sei eine Reaktion auf Aufrufe gewesen, die Bürger von Staaten der Anti-Terror-Koalition anzugreifen. Sollte sich bestätigen, dass der IS hinter der Tat steht, wäre es der erste islamistische Anschlag mit Todesopfern in Deutschland.

Ein zunächst festgenommener Verdächtiger wurde wieder freigelassen, nachdem sich gegen ihn kein dringender Tatverdacht ergeben hatte.

Am Montagabend war der vermutlich entführte Lastwagen in den Weihnachtsmarkt auf dem Breitscheidplatz im Herzen Berlins gerast. Einschließlich des Polen starben zwölf Menschen, rund 50 wurden teils lebensgefährlich verletzt. Laut de Maizière konnten - neben dem Polen - bislang erst sechs Tote identifiziert werden. Bei ihnen handelt es sich um deutsche Staatsbürger. 14 Menschen ringen noch mit dem Tod.

Sicherheitskonzept für Silvester muss überarbeitet werden

Fest steht bereits, dass der Anschlag Auswirkungen auf das Sicherheitskonzept für die Silvesterfeier in Berlin haben wird. "Wir werden das Sicherheitskonzept für die Berliner Silvesterfeier nochmal stark überarbeiten", sagte Innensenator Andreas Geisel. Und auch außerhalb von Berlin soll die Polizeipräsenz im gesamten Bundesgebiet erhöht werden - eine Aussetzung der Weihnachtsmärkte wurde jedoch ausgeschlossen. Einzig am Tag nach dem Anschlag blieben die rund 60 Weihnachtsmärkte im Berliner Stadtbereich geschlossen.

Das BKA warnte zudem nach wie vor vor einer hohen Gefahrenlage für Deutschland. Denn die habe sich nach dem Anschlag nicht geändert.