Wegen abgelaufenem Desinfektionsmittel

Nach Labor-Panne in China: Über 3.000 Menschen mit Bakterien infiziert

Eine Mitarbeiterin nimmt ein Reagenzglas in die Hand. Foto: Uwe Anspach/Archiv
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19. September 2020 - 11:52 Uhr

Werk stellte Impfstoff gegen Brucella-Bakterien her

In der chinesischen Stadt Lanzhou wurden bisher 3.245 Menschen mit dem Brucella-Bakterium infiziert. Das bestätigt jetzt ein offizieller Report der örtlichen Gesundheitsbehörde. Die Erreger waren bereits im vergangenen Jahr über die Belüftungsanlage des Labors verbreitet worden, in dem Impfstoffe für Tiere hergestellt werden. Laut offiziellen Angaben sollen die Betroffenen jetzt entschädigt werden.

Bakterien durch Abluft übertragen

Wie die Nationale Gesundheitsbehörde Chinas auf ihrer Website mitteilt, wurde die erste Infektion mit Brucellen im vergangenen November in Lanzhou, der Hauptstadt der Provinz Gansu, nachgewiesen. Offenbar war von Juli bis August 2019 ein abgelaufenes Desinfektionsmittel in der Pharma-Fabrik "Zhongmu Lanzhou" verwendet worden.

Dies führte dazu, dass die Bakterien über die Abluft entweichen konnten. Laut dem Report wurden sie durch den Wind zum nahegelegenen "Lanzhou Veterinary Research Institute" transportiert und steckten dort angestellte Menschen an, berichtet die "Global Times". Insgesamt wurden bei 3.245 der 22.000 getesteten Personen Brucellen-Antikörper nachgewiesen.

Brucellose – wie hoch ist die Ansteckungsgefahr?

Brucellen sind weltweit bei Haus- und Nutztieren wie Rindern oder Schafen verbreitet. Wie das Robert-Koch-Institut (RKI) erklärt, infizieren sich Menschen in der Regel über den direkten Kontakt mit infizierten Tieren oder über kontaminierte Milch, die nicht pasteurisiert wurde. Eine Übertragung von Mensch zu Mensch ist laut RKI sehr selten; in Deutschland gelten die Nutztierbestände als frei von dem Erreger.

Die Krankheit Brucellose kann schleichend oder plötzlich zu Symptomen wie Fieber, Übelkeit oder Kopfschmerzen führen, die bis zu drei Wochen anhalten können. Sie kann aber auch in eine chronische Form übergehen – manche Betroffene leiden dann unter Folgen wie Leistungsminderung, Schweißausbrüchen oder Depressionen.

Fabrik wurde Lizenz entzogen

Laut der Nationalen Gesundheitsbehörde werden die betroffenen Einwohner Lanzhous nun kostenlos untersucht und behandelt. Der Fabrik wurde der "Global Times" zufolge bereits im Januar 2020 die Lizenz zur Herstellung des Impfstoffs entzogen, acht Personen seien für den Vorfall "hart bestraft worden". Die Verantwortlichen seien bereit, ihre Lektion zu lernen und aktiv mit den lokalen Behörden zusammenzuarbeiten, um die infizierten Menschen zu entschädigen.