RTL News>News>

Nach Krebsdiagnose: Krankenschwester schreibt Entschuldigungsbrief an Krebs-Patienten

Nach Krebsdiagnose: Krankenschwester schreibt Entschuldigungsbrief an Krebs-Patienten

"Lieber Krebspatient, es tut mir leid. Ich habe es nicht verstanden."

Es war ihr Job - tagein, tagaus. Lindsay Norris aus Kansas (USA) kümmerte sich jeden Tag aufs Neue um Krebspatienten. Die Fachkrankenschwester erlebte unzählige Male, wie bei einem Menschen Krebs diagnostiziert wurde und eine lange Zeit dachte sie, dass sie die Gedanken und Gefühle der betroffenen Patienten kennen würde. Mit 33 Jahren erkrankt Lindsay selbst an Krebs. Die erschreckende Diagnose bringt die zweifache Mutter dazu, einen Entschuldigungsbrief an sämtliche Krebskranken zu schreiben.

Auf ihrem Blog 'Hier Comes the Sun' schreibt Lindsay: "Lieber Krebspatient, es tut mir leid. Ich habe es nicht verstanden. Ich war stolz darauf, dass ich Zugang zu meinen Patienten fand und ihnen mit ihrer Krebserkrankungen helfen konnte. Ich dachte wirklich, ich hätte es verstanden. Ich dachte, ich wüsste, wie es sich anfühlt, das alles durchzumachen. Ich wusste es nicht".

Der Brief ist für alle lesbar. Gerichtet ist er aber insbesondere an krebskranke Patienten, die Lindsay betreut hatte - in dem Glauben, dass sie wüsste, was in ihnen hervorging. Heute weiß Lindsay, dass dem nicht so war. Erst als sie selbst die Diagnose Krebs erhält, öffnen sich ihre Augen. Sie sieht jedes noch so schlimme Detail, die die heimtückische Krankheit mit sich bringt. Die Mutter einer dreijährigen Tochter und eines siebenjährigen Sohnes erfährt, wie es ist, Angst um seine Familie zu haben und bemitleidet zu werden. "Ich habe es nicht verstanden, wie es sich anfühlt, die ganze Zeit über traurige Blicke zugeworfen zu bekommen. Euer Kopf ist voll mit diesem sanften 'Wie geht’s dir?'", schreibt Lindsay.

Mittlerweile unterzieht sich die 33-Jährige einer Bestrahlungstherapie, die sie körperlich schwächt. Im Alltag helfen ihr Mann Camden und ihre Mutter. "Ich habe nicht verstanden, wie viele Sorgen ihr euch um eure Kinder gemacht habt. Das bereue ich am meisten. Ich hätte mehr mit euch über sie sprechen sollen – und nicht nur, um Verbote aufzuheben oder über Keime. Ihr habt euch Sorgen darüber gemacht, welchen Einfluss die Krankheit auf sie haben würde", entschuldigt sich Lindsay in ihrem Brief. Denn nun weiß sie, was ihren Patienten wirklich Angst gemacht hat.

Trotz ihrer Situation versucht Lindsay positiv zu denken. Sie beendet ihren Brief mit den Worten: "Ich weiß nicht, wie die Zukunft wird, aber wenn ich mich umsehe und meine Familie sehe, ist die Aussicht schön".