Nach Krawallen von Bautzen: Bürger gehen auf die Straße

19. September 2016 - 8:45 Uhr

"Neue Qualität der Gewalt"

In der sächsischen Stadt Bautzen haben sich am Abend nach den gewalttätigen Auseinandersetzungen zwischen Einheimischen und Flüchtlingen etwa 350 Menschen auf dem Kornmarkt versammelt. Alexander Ahrens, der Oberbürgermeister von Bautzen, stellte sich den Fragen und Vorwürfen der Bewohner - und musste sich so einiges anhören.

Viele Bautzner fühlen sich nicht mehr sicher

"Ihr wisst gar nicht, was hier los ist", hielten die Bürger dem parteilosen Politiker entgegen. Es brodelt in Bautzen. 24 Stunden zuvor war es in dem sächsischen Ort zu einer Straßenschlacht zwischen 80 Neonazis und rund 20 Asylbewerbern gekommen. Der Bürgermeister sucht jetzt den Dialog und gibt sich optimistisch: "Ich freue mich eigentlich, wenn es eine Kommunikation gibt, wenn man miteinander redet. Wichtig ist, den Gesprächsfaden nicht abreißen zu lassen", sagt Ahrens.

Nach Angaben der Polizei waren es die Flüchtlinge, von denen die Gewalt ausgegangen ist. "Einer dieser Rädelsführer, hat auf seiner Facebookseite mit einer Kalaschnikow posiert. Da fall ich echt vom Glauben ab", sagt der Bürgermeister. Viele Bautzner fühlen sich nicht mehr sicher. Auch deshalb wurde am Abend hochemotional diskutiert.

Ausgangssperre und Alkoholverbot für junge Flüchtlinge

Der Landkreis greift jetzt gegen junge Asylbewerber hart durch. Vier Rädelsführer aus einem Wohnheim im Alter zwischen 15 und 20 Jahren wurden an andere Standorte gebracht. Außerdem gilt ab sofort ein Alkoholverbot und eine Ausgangssperre ab 19:00 Uhr für die etwa 30 in Bautzen lebenden, sogenannten unbegleiteten, minderjährigen Asylbewerber. Keine Mittel gegen die Fremdenfeindlichkeit, aber sie dürften dabei helfen die Lage in Bautzen zu beruhigen.

Bereits bei einer Konfrontation am vergangenen Freitag wurde die Gewalt laut Polizei zunächst von jungen Flüchtlingen ausgelöst. Die Polizei ermittelt wegen des Verdachts des Landfriedensbruchs sowie gefährlicher Körperverletzung. Derzeit werde Videomaterial ausgewertet, sagte der stellvertretende Leiter der Polizeidirektion Görlitz, Klaus Mehlberg. Zahlreiche Personalien seien aufgenommen worden, eine Reihe von Personen der Polizei bereits bekannt.

Gastfreundlichkeit vs. Fremdenhass

​Dass gelungene Integration durchaus möglich ist, zeigt der ebenfalls in Sachsen liegende Ort Hainichen. Der Anteil der Flüchtlinge ist hier mit 4,6 Prozent sogar deutlich höher als in Bautzen mit 1,6 Prozent. Im Gegensatz zum nur 100 Kilometer entfernten Bautzen wurde in Hainichen jedoch sehr viel Wert auf gute Integrationsarbeit gelegt. Statt Ausgangssperren zählt hier Gastfreundschaft und ein tolerantes Miteinander - eine Strategie, die die Bautzener leider verschlafen haben.