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Nach Kannibalismus-Vorwurf: Polizist wegen zerstückelter Leiche vor Gericht

Nach Kannibalismus-Vorwurf: Polizist wegen zerstückelter Leiche vor Gericht

Keine Belege, dass Leiche gegessen wurden

Ein Beamter des sächsischen Landeskriminalamtes soll vor neun Monaten einen Geschäftsmann auf dessen Wunsch im Keller einer Pension im Erzgebirge umgebracht, zersägt und dann im Garten verscharrt haben. Mit schockierenden Details hat in Dresden nun der Prozess um den Tod des 59-Jährigen aus Hannover begonnen.

In dieser Pension im Osterzgebirge soll Detlef G. einen Geschäftsmann umgebracht haben.
Der Tatort - eine Pension im Osterzgebirge.

Laut Anklage soll Detlef G. den Geschäftsmann, der freiwillig zu ihm nach Sachsen gekommen war, ein Seil um den Hals gelegt und ihn dann mit einem Flaschenzug nach oben gezogen und so erdrosselt haben. Bei seiner Festnahme im November hatte der 56 Jahre alte Beamte die Tat gestanden, inzwischen bestreitet er, den Mann umgebracht zu haben. Das Opfer habe sich selbst getötet.

Opfer und mutmaßlicher Täter lernten sich online in einem Kannibalen-Forum kennen. Der Mann ist wegen Mordes und Störung der Totenruhe angeklagt. Es gibt aber keine Belege, dass Teile der Leiche gegessen wurden.

Mutmaßlicher Täter kündigte "Schlachtfest" an

Stunden vor dem Tod des 59-Jährigen hatte der mutmaßliche Täter per Video ein "Schlachtfest" angekündigt. "Der Angeschuldigte filmte wesentliche Teile der Zerstückelung, um sich später durch das Anschauen des Films sexuell zu erregen", heißt es in der Anklageschrift. Sexuelle Motive hatte er bei seiner Verhaftung bestritten. Allerdings soll es im Video Belege für diesen Beweggrund geben.

Die Verteidigung sprach von einem "hochgradig pathologischen Wunsch, geschlachtet und verspeist zu werden". Vom Gericht verlesene SMS und E-Mails belegen solche Fantasien des Geschäftsmannes. Die Verteidigung erklärte das anfängliche Geständnis damit, dass der Mandant mit der "Wahrheit nicht vorschnell in die Offensive gehen" wollte. Das Video habe er gelöscht, weil er Abscheu beim Anschauen empfunden habe. Die Verteidigung will auch eine 3D-Simulation: Sie soll klären, ob sich das Opfer in der Schlinge selbst töten konnte.

Der Beschuldigte sah sich beim Betreten des Verhandlungssaales viel Presse ausgesetzt. Dennoch wirkte er gefasst. Das Verlesen der Anklageschrift nahm er regungslos zur Kenntnis. Angaben machte er nur zur Person und zu seinen Lebensumständen. Verteidiger Wilhelm schloss nicht aus, dass der Mann sich im Laufe des Prozesses noch äußert. Das Gericht hat knapp 20 Zeugen und vier Sachverständige geladen, darunter auch Menschen, die sich mit dem Beschuldigten und dem Opfer im Kannibalen-Forum ausgetauscht hatten. Der Prozess geht am 1. September weiter.