Schweigeminuten und Trauerbeflaggung

Nach Julens Bergung: Helfer räumen auf, Totalán trauert still

26. Januar 2019 - 16:59 Uhr

Málaga verkündet eine dreitägige Trauer

Das tragische Ende der 13-tägigen Bergungsaktion des kleinen Julen hat für weltweite Anteilnahme gesorgt. Die Stadt Málaga verkündete eine dreitägige Trauer, vor dem Rathaus der Küstenstadt versammelten sich am Samstagvormittag Hunderte zu einer Trauerkundgebung und einer Schweigeminute zu Ehren des Kleinen. Im malerischen Dorf Totalán ist gespenstische Ruhe eingekehrt. Wie im Video zu sehen ist, räumen die Helfer den Unglücksort. Rundherum ist es sehr ruhig geworden, wie RTL-Reporterin Pia Schrörs aus dem Ort im Süden Spaniens berichtet.

"Mondscheinloch" kostete Julen das Leben

Der 107 Meter tiefe Brunnenschacht, in den das Kind am 13. Januar bei einem Familienausflug gestürzt war, wurde nach Behördenangaben auf der Suche nach Wasser ohne Genehmigung gegraben. In Spanien ist das keine Seltenheit. Im Gegenteil: Nach Schätzung der Umweltorganisation Greenpeace gibt es im ganzen Land über eine Million solcher illegaler Löcher. Die Zeitung "El Mundo" schrieb, in Wirklichkeit seien es viel mehr. Und "diejenigen Bohrungen, die nicht zum Erfolg führen, werden mehr schlecht als recht zugedeckt".

Seit Jahren regnet es in Spanien aufgrund des Klimawandels zu wenig. Flüsse trocknen aus, vor allem im Süden und im Landesinneren gibt es immer mehr steinwüstenähnliche Landschaften. Besitzer von Grundstücken und Fincas beauftragen deshalb sogenannte "Poceros", erfahrene "Löchergräber" mit Bohrungen, die oft in wahren Nacht- und Nebelaktionen nachts nur bei Mondbeleuchtung gegraben werden. Im Volksmund heißen diese Schächte deshalb "Mondscheinlöcher".

"Meine Aufgabe ist es, das Loch zu bohren"

Der erfahrene "Pocero" Antonio Jesús Perálvarez, der für seine Arbeit 2.000 bis 4.000 Euro kassiert, nahm im Gespräch mit "El Mundo" kein Blatt vor dem Mund. "Meine Aufgabe ist es, das Loch zu bohren. Um die Abdeckung kümmert sich auch bei legalen Bohrungen der Auftraggeber. Zumal der oft nach einigen Tagen wieder schauen will, ob Wasser herauskommt." Normal sei es, die Öffnung des Loches "mit einem großen Stein zuzudecken, den ein Kind nicht hochheben kann". Dass das in Totalán nicht passiert ist, wurde dem zweijährigen Julen zum Verhängnis.