Nach Angriff des Iran: Vorerst keine weiteren Militärschläge aus den USA

Donald Trump zu Iran-Konflikt: "Wollen großartiges Militär und Ausrüstung nicht einsetzen"

© REUTERS, KEVIN LAMARQUE, JRB

8. Januar 2020 - 18:12 Uhr

Donald Trump: "Iran scheint sich zurückzuhalten"

Nach dem Angriff des Iran auf zwei US-Militärbasen im Irak hat US-Präsident Donald Trump auf einer Pressekonferenz bekanntgegeben, vorerst nicht militärisch reagieren zu wollen. Der Iran schoss in der Nacht zum Mittwoch mehr als ein Dutzend Raketen auf die vom US-Militär genutzten Stützpunkte Ain al-Assad westlich von Bagdad und im nördlich gelegenen Erbil ab. Tote habe es bei dem Angriff nicht gegeben, sagte der US-Präsident. Trump kündigte zwar schärfere Sanktionen gegenüber dem Iran an, jedoch keinen weiteren militärischen Vergeltungsschlag. Die US-Regierung setzt damit offenbar auf Deeskalation statt auf Konfrontation.

Trump fordert EU-Partner und China auf, nicht am Atomabkommen festzuhalten

"Iran scheint sich zurückzuhalten", sagte Trump. Deshalb wolle man vorerst nur mit schärferen Sanktionen reagieren. "Die Tatsache, dass wir dieses großartige Militär und die Ausrüstung haben, bedeutet allerdings nicht, dass wir es einsetzen müssen. Wir wollen es nicht einsetzen."

Trump forderte in seinem Pressestatement Deutschland, Frankreich, Großbritannien, Russland und China auf, nicht mehr am Atomabkommen mit dem Iran festzuhalten. Stattdessen müssten diese Staaten gemeinsam mit den USA an einem neuen Abkommen mit dem Iran arbeiten, "das die Welt zu einem sichereren und friedlicheren Ort" machen würde, sagte Trump am Mittwoch im Weißen Haus. Er betonte, dass er es unter seiner Aufsicht Iran "niemals erlauben werde, Atomwaffen zu besitzen." ​

Reaktion der USA war zunächst unklar

Teheran nannte die Angriffe einen "Akt der Selbstverteidigung" nach der Tötung des iranischen Top-Generals Ghassem Soleimani durch einen US-Luftschlag in der vergangenen Woche. Wie die USA reagieren werden, war zunächst unklar.

Verstärkt wurde die Unsicherheit, als wenige Stunden nach den Raketenangriffen auf die Militärbasen aus bislang ungeklärter Ursache ein ukrainisches Passagierflugzeug in der Nähe von Teheran abstürzte. Alle der mehr als 170 Menschen an Bord starben. Mehrere Fluggesellschaften setzten eine Nutzung des iranischen und irakischen Luftraums vorübergehend aus - darunter Lufthansa, KLM und Air France.

US-Amerikaner offenbar vor dem Angriff gewarnt

Dass der Iran und die USA bewusst auf einen Krieg zusteuern, gilt unter Experten als eher unwahrscheinlich. Denn die iranische Rache kam mit Vorwarnung. Iraks Regierung wurde nach eigenen Angaben kurz vor dem Angriff aus Teheran über den Militärschlag informiert. Iraks Regierungschef Adel Abdel Mahdi sagte, zur selben Zeit hätten sich auch die Amerikaner gemeldet. Auch die in Erbil stationierten deutschen Soldaten waren vor dem Angriff gewarnt worden. Sie blieben unversehrt.

Neue Attacken kündigte auch der Iran nicht an. Der iranische Präsident Hassan Ruhani sagte: "Falls die Amerikaner weitere Angriffe und Verbrechen gegen den Iran planen sollten, werden wir eine Antwort geben, die noch härter ist als der heutige Angriff."

Quelle: DPA/RTL.de