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Nach ihrem Auftritt beim WM-Finale: Kroatiens Präsidentin in der Kritik

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Staatsmännische Etikette? Die 50-Jährige küsste den WM-Pokal, der an ihr vorbeigetragen wurde © imago/Contrast, O.Behrendt, imago sportfotodienst

"Sie hat vergessen, Würde zu bewahren"

Kroatien feiert seine Vize-Weltmeister - den emotionalen Auftritt der kroatischen Ministerpräsidentin Kolinda Grabar-Kitarovic beim WM-Finale fanden dagegen einige überhaupt nicht finalwürdig. "Sie hat vergessen, ihre Würde zu bewahren", meint die größte kroatische Boulevard-Zeitung "24sata". Ein serbisches Blatt geht noch weiter: "Unwiderstehlich oder beschwipst?" 

Kolinda Grabar-Kitarovic: "Wollte Mensch sein"

Soccer Football - World Cup - Final - France v Croatia - Luzhniki Stadium, Moscow, Russia - July 15, 2018  France coach Didier Deschamps celebrates with President of France Emmanuel Macron after winning the World Cup as President of Croatia Kolinda G
Enge Umarmungen für alle Spieler: Sogar die Franzosen wurden von Grabar-Kitarovic geherzt und getätschelt © REUTERS, KAI PFAFFENBACH, apt

Das Staatsoberhaupt hatte nach dem Endspiel im strömenden Regen Spitzenpolitiker und Spieler umarmt, getätschelt und sogar den WM-Pokal geküsst. Die Erklärung der 50-Jährigen für ihr Verhalten klingt für viele allerdings gar nicht staatsmännisch.

"Ich wollte Mensch sein und zeigen, wie sehr wir unsere Heimat und unsere Mannschaft lieben, wie stolz wir sind", erklärte Grabar-Kitarovic in einem Fernsehinterview. Trotz der 2:4-Niederlage gegen Frankreich sei sie so begeistert gewesen, dass sie sich nicht zurückhalten wollte.

​Selbst von dem Wolkenbruch ließ sich die 50-Jährige nicht bremsen. "Die Schuhe waren so voll mit Wasser, dass ich fast nicht laufen konnte. Aber den Regen habe ich gar nicht bemerkt, weil mich die Begeisterung fortgetragen hat."

Soccer Football - World Cup - Final - France v Croatia - Luzhniki Stadium, Moscow, Russia - July 15, 2018  President of Croatia Kolinda Grabar-Kitarovic talks with President of France Emmanuel Macron  REUTERS/Dylan Martinez
Auch dem französischen Präsidenten Emmanuel Macron kam die kroatische Präsidentin ziemlich nah © REUTERS, DYLAN MARTINEZ, mjb

Nur begeistert oder beschwipst?

Während in den sozialen Netzwerken viele Fans aus aller Welt die Ministerpräsidentin für ihr menschliches und authentisches Auftreten feiern, kam der Auftritt nicht überall gut an. Der kroatische Zeitungskolumnist Tomislav Klauski kritisierte: "Sie hat jedes Maß verloren. Bei ihr haben die Bremsen versagt. Sie hat ein Spektakel veranstaltet, wo immer sie auftrat."

Grabar-Kitarovic ist vom Volk gewählt, gehört der Regierungspartei HDZ an - hat aber eigentlich nur repräsentative Aufgaben. Ihr Auftritt beim WM-Finale überraschte Kenner wenig: Sie stellt sich gerne als Mutter der Nation dar und sucht das Rampenlicht. 

Noch viel negativer berichteten die Zeitungen im Nachbarland Serbien, das traditionell durch Krieg und Geschichte ein gespanntes Verhältnis zu Kroatien hat. "Unwiderstehlich oder beschwipst?", fragte die prominente Zeitung "Blic".

Auch weitere Blätter unterstellten der 50-Jährigen, zu tief ins Glas geschaut zu haben. "Die betrunkene Kolinda war ein größerer Stern als die Nationalmannschaft", schrieb die Boulevardzeitung "Informer". Und der "Kurir" ging noch weiter: Dort lautete die Überschrift knapp: "Alkoholinda!"

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