Nach Hurrikan 'Harvey' und 'Irma': Amerikaner glauben nicht an Klimawandel, sondern an Strafe Gottes

Der Klimawandel brachte die Hurrikans Irma und Harvey nicht, sie waren ein Strafe Gottes. das glauben zumindest viele Amerikaner.
Hand aufs Herz: Nicht der Klimawandel brachte die Hurrikans Irma und Harvey, sie waren vielmehr eine Strafe Gottes. Das glauben zumindest viele Amerikaner.
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Religiöse Hetzer sind voll in ihrem Element

Die USA wurden gleich zu Beginn der Hurrikan-Saison von zwei verheerenden Stürmen getroffen: 'Harvey' war der mit dem meisten Wasser. Und 'Irma' war nicht mehr und nicht weniger als der schwerste Hurrikan seit Beginn der Aufzeichnungen. Da denkt man doch, vielleicht findet nun das Thema Klimawandel mal wieder Eingang in die öffentliche Diskussion der Amerikaner. Ja, findet er sogar. Aber auf eine groteske Art und Weise wird die Klimaerwärmung dabei in die Ecke gedrängt. Die Diskussion wird religiös aufgeladen und nicht wenige Amerikaner glauben an eine Strafe Gottes.

von Oliver Scheel mit Material von dpa

Abtreibungen verbieten - dann wird der Hurrikan abgelenkt

Während US-Präsident Donald Trump immerhin das katastrophale Ausmaß der Hurrikans erkannte und sich einigermaßen still verhielt, was seine Klimadeutungen angeht, sind religiöse Hetzer und Rechtskonservative mit abstrusen Verschwörungstheorien aufgetaucht. Und sie alle bekommen in den USA ihre Plattform geboten.

TV-Prediger Jim Bakker sagte, Gott habe 'Harveys' Fluten gesandt. Als Strafe, vor allem für Houston. Als 'Irma' auf die USA zuzog, warnte Pastor Kevin Swanson davor, Abtreibungen und Homo-Ehe zu legalisieren. Man müsse sie für illegal erklären. Dann werde Gott den Hurrikan von den USA weglenken.

Klimawandel-Gegner würden Sturm säen

Es ist schon seltsam, wie manche Amerikaner die Augen verschließen. Selbst Schauspielerin und Trump-Gegnerin Jennifer Lawrence sagte, es falle schon schwer, in den Stürmen keinen Beleg für göttliche Wut an den herrschenden politischen Zuständen zu sehen. Gott ist also sauer auf Trump und schickt deshalb seine windigen Boten nach Houston, Florida und in die Karibik. Wo ist Trumps Amtssitz nochmal, Frau Lawrence?

Verschwörungstheoretiker hatten in den USA immer schon Konjunktur. Rush Limbaugh, gern gesehener Gast in rechten Radioshows, glaubt, dass die Klimawandel-Gegner den Sturm über die USA schickten. "Es gibt dieses dringende Bedürfnis, dieses Klimaschutzthema voranzubringen. Und Hurrikane sind eines der besten Mittel dafür", sagte er.

Mother! Photocall - Toronto International Film Festival 2017 Actoress Jennifer Lawrence poses during the photocall before the press conference for the film Mother at the Tiff Light Box for the Toronto International Film Festival 2017 PUBLICATIONxINxG
Schauspielerin und Trump-Gegnerin Jennifer Lawrence glaubt, die USA würden wegen der schlechten Regierungsführung bestraft.
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Dagegen mutet es schon fast harmlos an, wenn Kommentatoren schreiben, der Öl-Staat Texas habe eben schlechtes Karma und sei deshalb von den Stürmen getroffen worden. Ein anderer, der ultrarechte Hetzer Alex Jones, sah sogar einen Zusammenhang mit der Premiere des Hollywood-Films 'Geostorm'. "Gerade wo wir diese Superstürme haben, kommt 'Geostorm'. Perfektes Timing, oder?", fragte er.

In Europa fragt man sich eher, wie in einem solchen Umfeld eine ernsthafte Diskussion über den vom Menschen gemachten Klimawandel überhaupt entstehen soll. Es sieht eher so aus, als würden die Menschen in den Vereinigten Staaten einen nicht mehr bewohnbaren Planeten als gerechte Strafe Gottes ansehen.