Zeitplan der Autobahn GmbH in der Kritik

Pfusch an Lärmschutzwänden: ADAC befürchtet langes Chaos auf A3

Betonteil stürzt auf Autobahn auf Wagen - Fahrerin tot
Betonteil stürzt auf Autobahn auf Wagen - Fahrerin tot
© dpa, Feuerwehr Köln, gfh

11. Januar 2021 - 18:05 Uhr

Sicherungskonzept sieht zusätzliche Halterungssysteme vor

Von einer Betonplatte auf der Autobahn erschlagen: Damit sich ein solcher Horror-Unfall, der eine 66-jährige Autofahrerin auf der A3 in Köln das Leben kostete, nicht wiederholt, sollen Lärmschutzwände zusätzlich gesichert werden. "Unser Sicherungskonzept sieht so aus, dass wir an jedem der Lärmschutzelemente zwei zusätzliche Halterungssysteme anbringen", erklärt Willi Kolks von der Autobahn GmbH des Bundes im RTL-Interview. Noch wartet das Sicherungskonzept auf die Genehmigung, doch der Automobilclub ADAC warnt bereits vor einer Geisterbaustelle und Stau-Chaos über Monate hinweg.

Autobahn GmbH: "Relativ sicher, dass wir im Mai den Verkehr wieder freigeben können“"

Der Landesbetrieb Straßen.NRW prüfte nach dem tödlichen Unfall im November hunderte Lärmschutzwände an Autobahnen und Bundesstraßen. Auf der A3 zwischen Kreuz Köln-Ost und der Anschlussstelle Köln-Dellbrück sind seit dem Unfall zwei Fahrsstreifen gesperrt. Für die Sicherungsarbeiten an den von Bau-Pfusch betroffenen Lärmschutzwänden wird nach Angaben der Autobahn GmbH vorübergehend eine weitere Fahrspur für den Einsatz eines Krans gesperrt werden müssen.

Roman Suthold vom ADAC Nordrhein warnt vor Verkehrschaos auf dem stark befahrenen Autobahnabschnitt. "Wenn es da zu Störungen kommt, hat das Auswirkungen mindestens in Nordrhein-Westfalen, wenn nicht sogar im ganzen Bundesgebiet", so der ADAC-Sprecher im RTL-Interview. Der ADAC schlage daher vor, die Lärmschutzwände abzubauen, ein Sicherungskonzept zu erarbeiten und die Betonplatten anschließend wieder anzubringen.

"Das Konzept des ADACs hat der Landesbetrieb auch schon sehr früh geprüft und verworfen", erklärte der Sprecher der Autobahn GmbH auf RTL-Nachfrage. Kolks begründete dies mit dem aufwändigen Abbau und Wiederanbringen der tonnenschweren Betonteile, dem dazu notwendigen schwerwiegenenden Eingriff in den Verkehr und technischen Hintergründen der Montage.

"Ich bin mir relativ sicher, dass wir im Mai den Verkehr wieder freigeben können", verteidigte Kolks die Planungen der Autobahn GmbH gegen die Zeitplan-Kritik des ADAC Nordrhein.

Im Video: Pfusch an der Lärmschutzwand - lange bekannt und "mit Absicht"

Im November hatte sich auf dem Kölner Teilstück der A3 eine tonnenschwere Platte aus einer Schallschutzmauer gelöst und eine Autofahrerin erschlagen. Der Pfusch an der Konstruktion (mehr dazu hier) war bereits seit dem Jahr 2008 bekannt. Die Kölner Staatsanwaltschaft ermittelt in dem Fall wegen fahrlässiger Tötung gegen Unbekannt.