Sie wollten eine Oberarmstraffung nicht zahlen

Nach Gewichtsabnahme: Braunschweigerin kämpft 10 Jahre lang gegen Krankenkasse

14. April 2021 - 13:46 Uhr

Streitpunkt: Ihre Oberarme

Heike Bender hat es geschafft: Nach einem 10-jährigen Ringen mit ihrer Krankenkasse hat sie endlich Recht bekommen und muss eine wichtige Operation nicht von ihrem eigenen Geld bezahlen. Was ist passiert?

Im Video zeigt uns Heike Bender, warum sie ihre Oberarme als Problemzone empfindet.

Erster Antrag wird abgelehnt

Der ganze Fall beginnt 2011. Die 63-Jährige aus Braunschweig-Waggum hatte zuvor 50 Kilogramm abgenommen, doch an ihren Oberarmen ist viel überschüssige Haut geblieben. Also beantragt sie die Kostenübernahme für eine Oberarmstraffung. Nach einer Begutachtung lehnt ihre Krankenkasse den Antrag mit der Begründung ab, dass es sich dabei um einen kosmetischen Eingriff handelt. Es folgen lange Streit-Jahre mit Gutachten, Berichten und einem Urteil des Sozialgerichts Braunschweig im Jahr 2018. In dem heißt es, dass die Körperfunktionen nicht beeinträchtigt wären.

Landessozialgericht: Sehr seltene Ausnahme

Gegen dieses Urteil legt Bender Berufung ein und bekommt im November 2020 vom Landessozialgericht endlich Recht. Die Krankenkasse muss die OP zahlen. "Der Senat hat sich dann einen persönlichen Eindruck von dem Hautüberhang verschafft und hat hier von einem eiförmigen Gewebeüberhang gesprochen und starken voluminösen Fettüberschüssen im Bereich der Oberarme, die hier die Voraussetzung einer Entstellung erfüllt haben", erklärt Carsten Kreschel, Pressesprecher am Landessozialgericht Celle, im RTL-Interview. Die überschüssige Haut ist laut Gericht so präsent, dass sie sogar im Vorbeigehen die Blicke anderer Menschen auf sich zieht. "So etwas ist sehr selten, es ist ein sehr selten angewandter Ausnahmetatbestand, den das Gericht hier aber angenommen hat, weil die Oberarme wirklich so aussahen, dass sich hier eine sehr starke Asymmetrie gebildet hat."

Krankenkasse: Es ist alles gesagt

Laut ärztlicher Einschätzung wird Heike Bender zwischen einem und eineinhalb Kilogramm pro Arm durch die OP verlieren. Wie sich das wohl anfühlt? "Das frage ich mich auch! Aber Sie können dann wiederkommen, dann erzähle ich Ihnen das!", meint sie. Und ihre Krankenkasse? Die äußert sich schriftlich: "(...) Es wird auch betont, dass dies eine sehr seltene Ausnahme ist und auf die grundsätzlich geltende BSG Rechtsprechung hingewiesen. Damit ist für uns nichts hinzuzufügen."

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