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Nach Germanwings-Absturz: Depression ist nicht gleichbedeutend mit gefährlich - Vorurteile und Fakten

Nach Germanwings-Absturz: Depression ist nicht gleichbedeutend mit gefährlich - Vorurteile und Fakten

"Die meisten reagieren mit Ablehnung“

Seit gestern wissen wir: Andreas L. war vor seiner Pilotenausbildung selbstmordgefährdet und bis zu seinem Germanwings-Todesflug wegen Depressionen in Behandlung. Aber hätte man deshalb darauf schließen können, dass er für andere zur Gefahr wird? Experten warnen vor übereilten Schlüssen. Denn in der Regel richten Depressive Tötungsgedanken und Aggressionen nicht gegen andere, sondern nur gegen sich selbst.

Depression Progner
Depression Progner

Depression ist längst eine Volkskrankheit. Vier bis fünf Millionen Deutsche leiden schätzungsweise daran – Tendenz steigend. Cornelia Pfrogner erkrankte mit 30 Jahren an einer Depression. Zunächst bemerkte sie das gar nicht, später fing sie an, ihre Krankheit zu verbergen. "Die meisten setzen eine Maske auf, damit keiner erkennt, dass sie psychisch krank sind", weiß sie. Und sie gibt zu: "Man merkt aber schon bei der Arbeit, dass man sich nicht mehr so richtig konzentrieren kann. Dass man irgendwo mit seinen Gedanken hin abschweift und dass natürlich dann Fehler passieren."

Cornelia Pfrogner ließ sich helfen, man bekam ihre schwere Depression therapeutisch in den Griff. Sie bestätigt aber, was viele Betroffene leider im eigenen Umfeld erfahren. "Die meisten reagieren mit Bemerkungen und mit Ablehnung: Ach, du bist doch gar nicht krank. Man sieht ja gar nichts, du hast keinen Arm gebrochen und: Was soll das?“, berichtet sie.

“Psychisch Kranke jetzt nicht wieder stigmatisieren“

Ablehnung und Unverständnis treiben Depressive erst recht in die Einsamkeit. Dabei gehen von ihnen eher weniger Gefahren für andere Menschen aus. Sie ziehen sich zurück, sind antriebsgehemmt. Therapeuten und Forscher wie Prof. Ulrich Hegerl von der Stiftung Depressionshilfe warnen davor, jetzt alte Vorurteile neu zu befeuern.

“Die ganz große Sorge, die ich habe, ist, dass durch dieses schreckliche Einzelereignis und durch die Berichterstattung Menschen mit psychischer Erkrankungen wieder mehr stigmatisiert werden als das in der letzten Zeit der Fall gewesen ist“, sagt der Experte. Es sei in den vergangenen Jahren viel erreicht worden. Das Stigma habe abgenommen, die Menschen würden offener mit dem Thema umgehen und sich häufiger um Hilfe bemühen.

Statt zu behaupten, depressive Menschen seien potenzielle Massenmörder, solle besser auf Beratungsangebote hingewiesen werden, die einen Kollaps und die - einzelne - Selbsttötung verhindern. Und darauf, dass Depressionen menschlich und behandelbar sind