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Nach Germanwings-Absturz: Angehörige fordern Entschuldigung von der Lufthansa

Nach Germanwings-Absturz: Angehörige fordern Entschuldigung von der Lufthansa

"Es verfolgt sie in ihre Alpträume hinein"

"Das Leben eines jeden unserer Kinder und unseren Schmerz mit fünfundvierzig Tausend Euro zu bemessen, beleidigt uns und vor allem unsere Kinder zutiefst". Nach der Germanwings-Katastrophe mit 150 Toten klagen einige der Hinterbliebenen das Verhalten der Lufthansa in einem offenen Brief an. Dabei geht es nicht nur um die Höhe des angebotenen Schmerzensgeldes, sondern vor allem um Anteilnahme, die sie vermissen.

Heimkehr Leichen Haltern am See
Beim Absturz der Germanwings-Maschine am 24. März kamen alle 150 Menschen an Bord ums Leben.
REUTERS, RALPH ORLOWSKI

In dem Schreiben, das an Konzernchef Carsten Spohr adressiert ist, empören sich die Verwandten vor allem über eine fehlende Entschuldigung des Konzernchefs. Außerdem habe Spohr nicht den Kontakt zu den trauernden Angehörigen gesucht. "Herr Gauck, Frau Merkel und Frau Kraft haben mit uns gesprochen. Sie nicht", heißt es darin. Die öffentliche Anklage stammt von 32 Müttern und Vätern der getöteten Schüler aus Haltern, sowie den Angehörigen der beiden Lehrerinnen, die in der Unglücksmaschine saßen.

"Das verfolgt sie in ihre Alpträume hinein. Das werden sie nie mehr loswerden", versucht Anwalt Elmar Giemulla, die Situation der Angehörigen zu erklären. Er vertritt mehr als 30 Familien, darunter auch die Verwandten aus Haltern, die den Brief verfasst haben. Zugleich betont er aber, dass er als Jurist die "Emotionen in rationale Bahnen lenken muss" und die Angehörigen den Brief selbst verfasst und an Konzernchef Spohr geschickt haben. Dennoch sagt er: "Ich hoffe, dass die Lufthansa sich anregen lässt, durch diese Reaktion der Hinterbliebenen, über ihr eigenes Angebot noch einmal nachzudenken".

Die Lufthansa äußerte zwar Verständnis für die Wut der Betroffenen. Sprecher Andreas Bartels sagte jedoch auch: "Wir bedauern sehr, dass nun eine Verschärfung des Tons reingebracht wird". Ein Antwortschreiben Spohrs werde es nicht geben. Die Lufthansa sei mit jedem Angehörigen in Kontakt. Den Vorwurf der Angehörigen, sie hätten Spohr persönlich zu der Beerdigung ihrer Kinder eingeladen, weist die Lufthansa zurück. "Herrn Spohr ist kein persönliches Einladungsschreiben für eine Beerdigung zugegangen", sagte Bartels der 'Bild-Zeitung‘'. Ebenso betonte der Konzernsprecher: "Herr Spohr hat mit vielen Familienmitgliedern persönlich gesprochen, aber er konnte nicht mit jedem einzelnen der über Tausend Angehörigen sprechen."

Wieviel ist ein Menschenleben wert?

"Eine Zahlung der Lufthansa kann uns unsere Kinder nicht mehr zurückgeben. Sie können uns aber ein klein wenig der alltäglichen Lebenssorgen nehmen, die uns in unserem Schmerz zusätzlich belasten", heißt es in dem Brief. Schon nach den Trauerfeiern war ein Streit um das von der Lufthansa angebotene Schmerzensgeld ausgebrochen.

Der Germanwings-Mutterkonzern hatte den deutschen Hinterbliebenen nach der Katastrophe neben einer Soforthilfe von 50.000 Euro pauschal 25.000 Euro als Schmerzensgeld angeboten. Nächste Angehörige wie Eltern, Kinder oder Lebenspartner sollen dazu jeweils ein Schmerzensgeld von 10.000 Euro bekommen. Die Anwälte der Angehörigen haben dies abgelehnt und verlangen ein neues Angebot.

"Das kann nicht sein, dass ein Weltkonzern, der international tätig ist und sich nicht nur am deutschen Recht messen lassen muss, den Verlust eines Lebens mit 10.000 Euro entschädigen will", so Giemullas Begründung. "Insgesamt ist die Summe nichts, was man als angemessene Reaktion auf solch eine Katastrophe bezeichnen könnte (…) Es gibt Vergleichsfälle, in denen Opfern von Verbrechen minutenlang klargemacht worden ist, dass das ihre letzten Minuten sind. Da haben Gerichte leicht das Doppelte zugesprochen".

Beim Absturz der Germanwings-Maschine am 24. März in den Alpen waren alle 150 Menschen an Bord ums Leben gekommen, darunter 16 Schüler aus einem Gymnasium in Haltern und ihre zwei Lehrerinnen. Nach Überzeugung der Staatsanwaltschaft hatte der Copilot die Maschine absichtlich zum Absturz gebracht.