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Bei Mahnwache in Minneapolis

Emotionaler Appell an Demonstranten: Bruder von George Floyd fordert ein Ende der Gewalt

02. Juni 2020 - 14:28 Uhr

Rede im Video: "Lasst es uns dieses Mal anders machen!"

Terrence Floyd ist zurückgekehrt an den Ort, an dem sein Bruder George von einem Polizisten getötet worden ist. Seine Stimme bebt, als er das Wort an die Menschen richtet und ein Ende der Gewalt bei den Protesten in den USA fordert. Die Demonstrationen müssten friedlich sein, sagte er bei einer Mahnwache in Minneapolis. George Floyd hätte keine Gewalt gewollt. Sein eindringlicher Appell - im Video.

"Sie wollen, dass wir uns selbst zerstören"

A masked protester kneels before San Jose police on Friday, May 29, 2020, in San Jose, Calif., in response to the death of George Floyd in police custody on Memorial Day in Minneapolis. (AP Photo/Ben Margot)
Auch so sieht der Protest aus: Eine Demonstrantin kniet in San José (US-Bundesstaat Kalifornien) vor bewaffneten Polizisten.
© AP, Ben Margot, BM

Mehrere Minuten verharrte Terrence Floyd schweigend an jener Kreuzung in Minneapolis (US-Bundesstaat Minnesota), an der das Leben seines Bruders endete. Er weint, schreit seinen Schmerz hinaus an der Stelle, an der am Montag vergangener Woche bei einem Polizeieinsatz einer von vier beteiligten Beamten dem 46-jährigen George Floyd fast neun Minuten lang sein Knie in den Hals presste - und alle Bitten und alles Flehen des Afroamerikaners, ihn atmen zu lassen, ignorierte.

Seither gehen Tausende Menschen auf die Straße, Floyds vermutlich letzten Worte "I can't breath" ("Ich kann nicht atmen") wurden zum Schlachtruf der Demonstranten. Doch in vielen US-Metropolen arteten die Proteste zu gewaltsamen Ausschreitungen und Plünderungen mit teils bürgerkriegsähnlichen Szenen aus. Mehr als 40 Städte haben nächtliche Ausgangssperren verhängt.

"Ich verstehe, dass ihr wütend sein. Aber ich bezweifle, dass ihr auch nur halb so wütend seid, wie ich es bin", sagte Terrence Floyd bei einer Mahnwache für seinen Bruder. Seine Unterlippe bebte, immer wieder musste er das Megafon absetzen, war nicht mehr in der Lage, weiterzusprechen. "Wenn ich also nicht hier rumlaufe und durchdrehe, wenn ich hier keine Sachen in die Luft jage, wenn ich hier nicht die Nachbarschaft verwüste, was macht ihr alle dann hier?" Die Gewalt bringe seinen Bruder nicht zurück.

"In jedem Fall von Polizeibrutalität passiert das gleiche. Sachen werden zerstört. Sie wollen, dass wir uns selbst zerstören. Lasst es uns dieses Mal anders machen!" Seine Familie sei friedlich, gottesfürchtig, George habe Minneapolis geliebt. "Deshalb weiß ich, dass er nicht wollen würde, dass ihr das macht", sagte er.

Unabhängiger Autopsiebericht belastet Polizei schwer

Die Rhetorik des US-Präsidenten verschärft sich angesichts der landesweiten Ausschreitungen spürbar. Donald Trump sagte, er werde die Unruhen in den USA notfalls mit militärischer Gewalt stoppen. Begleitet von Protesten und chaotischen Szenen vor dem Weißen Haus kündigte er am Montagabend die Mobilisierung aller verfügbaren zivilen und militärischen Kräfte seiner Regierung an.

Anwälte der Familie von George Floyd legten unterdessen einen Autopsiebericht vor, der den Einschätzungen des offiziellen Gerichtsmediziners massiv widerspricht und die Polizei schwer belastet. Unabhängige Gerichtsmediziner seien zu der Erkenntnis gekommen, dass Floyd bei dem brutalen Polizeieinsatz erstickt sei, teilte Anwalt Ben Crump mit. Der von den Anwälten mit Floyds Autopsie betraute Mediziner Michael Baden sagte: "Die Autopsie hat gezeigt, dass es keine Vorerkrankung gab, die zu seinem Tod geführt oder dazu beigetragen hat." Der offizielle Gerichtsmediziner hatte dagegen auf Grundlage vorläufiger Erkenntnisse Vorerkrankungen für Floyds Tod mitverantwortlich gemacht. Er ging davon aus, dass der 46-Jährige nicht erstickt ist.

Die vier Polizisten wurden nach dem tödlichen Einsatz entlassen. Der Mann, der Floyd sein Knie auf den Nacken drückte, wird wegen Mordes angeklagt und sitzt in Untersuchungshaft. Seine Frau reichte die Scheidung ein. Ein weiterer Bruder von George Floyd, Philonise Floyd, hatte am Sonntag im Sender CNN gefordert, auch die anderen drei Polizisten, die beteiligt waren und nicht einschritten, müssten festgenommen werden. "Ich will Gerechtigkeit - jetzt."

Video: Familie trauert um George Floyd

Während Floyds Tod als neuester Fall mutmaßlich rassistisch motivierter Polizeigewalt in die US-Geschichte eingeht, muss die Familie ihren Verlust verarbeiten. "Meine Tochter sah ihren Vater sterben - im Fernsehen", sagte Rose Hudson in einem US-Interview. Ihr Statement und Bilder der Proteste sehen Sie im Video.

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