Nach Freispruch für US-Polizisten: Proteste und Festnahmen in Cleveland

25. Mai 2015 - 19:23 Uhr

"Es gibt keine Gerechtigkeit"

Nach dem Freispruch eines weißen Polizisten ist es im US-Bundesstaat Ohio zu Protesten und Festnahmen gekommen. Der Beamte hatte 49 Mal auf zwei unbewaffnete Afroamerikaner geschossen – selbst dann noch als beide längst handlungsunfähig waren. Es ist nicht das erste Urteil nach Todesfällen von Schwarzen in den USA, das auf Unverständnis stößt. Wird die Rassismus-Debatte jetzt neu befeuert?

Angehörige von Mellissa Williams vor Gericht in Cleveland
Angehörige der getöteten Mellissa Williams stehen nach dem Urteilsspruch fassungslos vor dem Gerichtsgebäude.
© REUTERS, AARON JOSEFCZYK

Bei der Urteilsverkündung brach der Angeklagte in Tränen aus. 20 Jahre Haft hätten dem Polizisten im Falle einer Verurteilung gedroht. Nun ist er ein freier Mann. Die Anklage wegen Totschlags lasse sich nicht aufrechterhalten, begründete Richter John P. O'Donnell die Entscheidung: Es könne nicht zweifelsfrei erwiesen werden, dass die Schüsse des Angeklagten tatsächlich die Todesschüsse waren. Außerdem habe er nicht mit Sicherheit wissen können, dass die beiden Schwarzen unbewaffnet gewesen seien und sich bedroht gefühlt haben könnten, so O'Donnell.

"Keine Gerechtigkeit - kein Friede", riefen einige Demonstranten vor dem Gerichtsgebäude in Cleveland, nachdem das Urteil gefallen war. Mindestens drei Menschen wurden nach Angaben lokaler Medien festgenommen. Der Bürgermeister von Cleveland, Frank Jackson, äußerte Verständnis für den Unmut der Demonstranten, Gewalt werde aber nicht geduldet.

Die Tat ereignete sich im November 2012. Die beiden Afroamerikaner Melissa Williams und Timothy Russell lieferten sich über mehr als 30 Kilometer eine Verfolgungsjagd mit der Polizei. Insgesamt 13 Beamte waren daran beteiligt. Sie gaben 137 Schüsse auf den Fluchtwagen ab. Der Angeklagte sprang damals auf die Motorhaube und feuerte durch die Windschutzscheibe. Er wurde vor Gericht gestellt, weil er auch dann noch geschossen haben soll, als sich die beiden Insassen längst nicht mehr wehren konnten und auch keine Gefahr mehr in Verzug gewesen sei.

Angst vor neuer Gewalt

Richter John P. O'Donnell wies bei der Urteilsverkündung ausdrücklich auf die jüngsten Unruhen nach Polizeigewalt gegen Afroamerikaner in den USA hin. Dennoch befürchten Kommentatoren nun, dass die Gewalt erneut eskalieren könnte. In den vergangenen Wochen und Monaten hatte es in mehreren US-Städten teils gewalttätige Proteste gegeben, nachdem weiße Polizisten unbewaffnete Schwarze erschossen hatten oder diese nach Gewalt in Polizeigewahrsam ums Leben kamen.

In Baltimore musste sogar die Nationalgarde eingreifen, nachdem die Proteste gegen den gewaltsamen Tod des Afroamerikaners Freddie Gray in Gewalt umgeschlagen waren und die US-Metropole ins Chaos stürzten. Es kam zu Randalen, Plünderungen und Angriffen auf Polizisten. Der Gouverneur von Maryland verhängte schließlich den Ausnahmezustand. Gray war am 12. April festgenommen worden, erlitt wenig später in Polizeigewahrsam eine Rückenmarkverletzung und starb nach Angaben der Behörden, nachdem er ins Koma gefallen war. Die genauen Umstände seines Todes sind noch unklar. Sechs Polizisten wurden inzwischen verhaftet.

Auch in Ferguson (Missouri) war es nach dem Tod des schwarzen Teenagers Michael Brown im August 2014 zu schweren Ausschreitungen gekommen. Brown war - ebenfalls unbewaffnet – von einem weißen Polizisten erschossen worden. Die jüngsten Fälle haben in den USA eine heftige Debatte über alltäglichen Rassismus ausgelöst. Vertreter der US-Regierung forderten bereits, das Land müsse mehr zum Schutz seiner Bürgerrechte unternehmen.