Nach Festnahmen am Rande von Berliner Halbmarathon – alle Verdächtigen wieder auf freiem Fuß

Polizisten beim Berliner Halbmarathon
© dpa, Christophe Gateau, cgt nic

09. April 2018 - 18:51 Uhr

Entwarnung nach Festnahmen in Berlin

Ohne besondere Zwischenfälle war am Sonntag der Berliner Halbmarathon über die Bühne gegangen. Doch danach die erschreckende Nachricht: Wegen Hinweisen auf einen geplanten Anschlag, nahm die Polizei am Rande des Laufs sechs mutmaßliche Islamisten fest. Schon am Sonntagabend hatte sich jedoch herauskristallisiert, dass zu keinem Zeitpunkt eine ernsthafte Gefahr durch die Verdächtigen bestanden hatte. Jetzt wurden sie wieder auf freien Fuß gesetzt.

Kein dringender Tatverdacht

Die Männer im Alter von 18 bis 21 Jahren wurden am Montag aus dem Polizeigewahrsam entlassen, gegen sie ergingen keine Haftbefehle. Das teilte am Dienstag ein Sprecher der Berliner Staatsanwaltschaft mit. Es gebe keinen dringenden Tatverdacht. Einen konkreten Terroranschlag auf den Halbmarathon hatten die Verdächtigen bisherigen Erkenntnissen zufolge nicht geplant. Nach der Festnahme der Verdächtigen wurden auch mehrere Wohnungen in den Berliner Bezirken Charlottenburg-Wilmersdorf und Neukölln durchsucht. Dabei wurden jedoch weder Waffen oder Sprengstoff noch andere verdächtige Gegenstände gefunden. Die Beamten stellten Handys und Computer sicher. Diese sollen noch weiter ausgewertet werden.

Unter den Festgenommenen befinden sich zwei Männer, die dem islamistischen Umfeld von Anis Amri zugeordnet werden. Amri hatte bei einem Anschlag auf den Weihnachtsmarkt an der Berliner Gedächtniskirche zwölf Menschen getötet. Ein Mann gilt als sogenannter Gefährder, also als Person, der die Behörden einen Terroranschlag zutrauen.

Zugriff als Vorsichtsmaßnahme

Die Festnahme der Verdächtigen kann als Präventivmaßnahme gesehen werden: Auch wenn zu keiner Zeit eine Gefahr für Läufer oder Zuschauer des Halbmarathons bestand, entschieden sich die Behörden für einen Zugriff. Zuvor hatte es vereinzelte Hinweise darauf gegeben, dass die Verdächtigen an der Vorbereitung eines Verbrechens im Zusammenhang mit dem Laufs beteiligt gewesen sein könnten. Auch vor dem Hintergrund der Amokfahrt von Münster waren die Behörden besonders vorsichtig.

Der Zugriff wurde daher in Berlin positiv bewertet. "Wir haben eine sehr angespannte Sicherheitslage in der Bundesrepublik Deutschland nach wie vor", sagte Horst Seehofer (CDU). Mit einem Anschlag müsse jederzeit gerechnet werden. Vor diesem Hintergrund sei es richtig, wenn die Sicherheitsbehörden sehr aufmerksam seien und auch Konsequenzen zögen. Auch Berlins Innensenator Andreas Geisel (SPD) begrüßte das Vorgehen. "Die Entscheidung von gestern war absolut richtig. Im Zweifel geht es um die Sicherheit der Bürger dieser Stadt und ihrer Gäste."