11. März 2019 - 16:11 Uhr

"Er ist ein richtiges Baby und kein medizinischer Abfall"

Sharran Sutherland ist Mutter eines still geborenen Babys. Ihren Sohn hat sie im April 2018 tot zur Welt gebracht - in der 14. Schwangerschaftswoche. Um ihren Verlust zu verarbeiten, hat die 40-Jährige ihn mit nach Hause genommen, sich eine Woche lang von ihm verabschiedet und ihn in einem Blumentopf im Garten begraben. Die Bilder des Körpers postete sie auf Social Media, um Frauen, die ihre Babys abtreiben, zu zeigen, dass es vollständig entwickelte Kinder sind, gegen die sie sich entscheiden. "Er ist ein richtiges Baby und kein medizinischer Abfall", schrieb sie dazu. Was sie damit meint, erklären wir Ihnen im Video.

Miran darf offiziell nicht Baby genannt werden

Sharran Sutherland und ihr Ehemann.
Sharran Sutherland und ihr Ehemann.
© Kennedy News and Media

Sharran aus Fair Grove in Missouri veröffentlichte die Bilder des Fötus und schrieb darunter: "Wie kann jemand den Körper eines Babys verleugnen und ihn töten, und das auf eine derart schreckliche Art und Weise?" Dadurch hofft sie, dass Frauen, die an eine Abtreibung denken, sich dagegen entscheiden. Sie behauptet außerdem, Ärzte hätten Miran "medizinischen Abfall" genannt.

Wer alle Fotos des Babys gesehen hat, stellt auf den ersten Blick tatsächlich fest, dass an ihm alles dran ist, was einen Menschen äußerlich ausmacht. Arme, Beine, Hände, Nase, Augen - er war ein kleiner Körper, der in der 14. Schwangerschaftswoche durch eine Fehlgeburt starb. Und weil Sharran eine große Sehnsucht nach ihrem Baby hatte, es unbedingt im Arm halten, und sich richtig von ihm verabschieden wollte, nahm sie den toten Miran mit nach Hause. Da wog das Baby gerade mal 26 Gramm. Und, weil es vor der 20. Schwangerschaftswoche geboren wurde, durfte es offiziell nicht als Baby bezeichnet werden. Rein gesetzlich betrachtet, ist ihr Sohn in den USA einfach nur ein Fötus. Sein toter Körper ist medizinischer Abfall.

"Als ich ihn anschaute, ihn in meiner Hand hielt, sah, wie perfekt geformt er war, war ich hin und weg", sagte die US-Amerikanerin im Interview mit der "Daily Mail". "Er hätte einfach nur weiterwachsen und sich weiter entwickeln müssen. Der Anblick hat mich umgehauen. Es war ein unglaubliches Gefühl, es ist schwer zu beschreiben", erzählte sie.

Sie wollte ihren Sohn gebären

Was Sharron bedrückt, ist die Tatsache, dass unsere Gesellschaft ungeborene Babys "enthumanisiert". "Von einer Frau, die ein tot geborenes Baby hat, wird nicht erwartet, dass sie trauert. Aber warum kann sie nicht genauso trauern wie eine Mutter, deren Kind lebendig zur Welt gekommen ist und erst später starb?" Diese Frage stellt sich die 11-fache Mutter immer wieder.

Die 40-Jährige hatte sich bewusst dazu entschieden, das Kind zu gebären. Die Ärzte hatten ihr zwar eine Ausschabung empfohlen, aber sie wollte Miran lieber gebären statt ihn "zerstückelt nach und nach auszuscheiden". Also bekam sie wehenfördernde Mittel, die den Geburtsvorgang auslösten. Und dann, am 23. April 2018, kam Miran zur Welt.

Zuhause angekommen legten ihr Mann und sie das gemeinsame Kind in den Kühlschrank, damit der Körper nicht verwest. Eine Woche lang nahmen sie Miran aus dem Kühlschrank heraus, betrachteten ihn immer wieder, um seinen Anblick nicht zu vergessen. Irgendwann war es dann so weit: Sie begruben den Kleinen in einem Blumentopf im Garten. Und immer, wenn sie jetzt aus dem Fenster hinausschauen, sehen sie ihn in der Pflanze weiterwachsen. Mit dieser Geste haben sie ihrem Sohn das gegeben, was ihm nicht vergönnt war.