Psychologe erklärt, wie Fehlgeburten Traumata auslösen

Nach eigener Fehlgeburt: Frau entführt fremdes Baby aus Klinik

12. Dezember 2019 - 18:03 Uhr

Video: Junge Frau entführt fremdes Baby aus Krankenhaus

Die 27-jährige Thailänderin Sriwaluck A. aus Phang Nga entführt nach ihrer eigenen Fehlgeburt das Baby einer anderen Frau, weil sie ihren Mann nicht enttäuschen will. Sie verheimlicht ihm die Fehlgeburt und tut weiterhin so, als sei sie schwanger. Wie die junge Frau die Entführung rechtfertigt und welche Strafe ihr jetzt droht, zeigen wir im Video.

Junge Frau will ein fremdes als ihr eigenes Baby ausgeben

Etwa einen Monat nach ihrer tragischen Fehlgeburt, geht Sriwaluck wieder ins Krankenhaus. Ihrem Mann hat sie den Verlust ihres Babys verheimlicht und gibt nun vor, sie wolle das Baby gebären. Tatsächlich freundet sie sich über Nacht mit einem Paar an, das sich gerade über die Geburt seiner kleinen Tochter freut, berichtet die britische Zeitung "The Mirror".

Sriwaluck gibt an, das kleine Mädchen auf einen Spaziergang durch das Krankenhaus mitzunehmen und läuft dann weg. Auf den Bildern der Überwachungskamera sieht man, wie sie sich einen Schal um den Kopf bindet – vermutlich, um nicht erkannt zu werden.

Auf der Straße spricht sie einen wartenden Rollerfahrer an, der sie dann mitnimmt. Zuhause angekommen, präsentiert sie das kleine Mädchen ihrem Mann, der sich sehr freut – in dem Glauben, seine eigene Tochter zu sehen.

Löst eine Fehlgeburt ein Trauma aus?

"Eine Fehlgeburt ist für jede Frau ein traumatisches Ereignis", sagt Diplom-Psychologe Dr. Dirk Baumeier. Denn schon während der Schwangerschaft baue die Frau eine emotionale und hormonelle Beziehung zu dem Kind auf.

Viele Frauen, die eine Fehlgeburt erleiden, zweifeln aber an sich selbst, so Baumeier. Sie geben sich eine Mitschuld und fragen sich: Hätte ich vorsichtiger sein müssen? Oder: Habe ich etwas Falsches gegessen?

Kann eine Fehlgeburt so eine Handlung rechtfertigen?

Viele Paare geben sich nach einer Fehlgeburt gegenseitig Kraft, die schwierige Zeit durchzustehen. Doch manchmal scheint der Druck für manche Frauen einfach zu groß zu sein.

"Schwangerschaft und die Erwartung einer Geburt beeinflussen die gesamte Familie, nicht nur die Schwangere", erklärt Baumeier. "Die Freude auf das Kind führt bei Frauen unter Umständen zu sozialem Druck." So wie bei Sriwaluck, die Angst davor hatte, ihrem Mann die Wahrheit zu sagen.

In diesem konkreten Fall der Thailänderin sieht der Diplom-Psychologe zum Teil eine Affekthandlung. "Durch die Fehlgeburt befindet sie sich in einer hormonellen Ausnahmesituation." In einem folgenden Prozess würde dann vermutlich auch eine verminderte Schuldfähigkeit festgestellt werden.