Nach DNA-Fund bei Peggys Leiche: Auch in Thüringen wird ein alter Fall neu aufgerollt

17. Oktober 2016 - 15:37 Uhr

Ob der NSU-Terrorist mit dem Fall in Verbindung steht, ist noch unklar

Gibt es eine Verbindung zwischen den NSU-Verbrechen und dem Fall der toten Peggy Knobloch aus Oberfranken? Ermittler haben völlig überraschend DNA-Spuren des NSU-Terroristen Uwe Böhnhardt am Fundort von Peggys Leiche entdeckt. Nun soll auch ein alter Fall in Thüringen neu geprüft werden. Damals war Böhnhardt ins Visier der Ermittler geraten, doch der Fall blieb bis heute ungeklärt.

Nun müssen die Ermittler herausfinden, ob und inwieweit der 2011 ums Leben gekommene Böhnhardt mit dem Fall in Verbindung steht und ob er etwas mit dem Verschwinden der neunjährigen Peggy zu tun hat. Seine DNA-Spuren wurden auf einem Stück Stoffdecke von der Größe eines Fingernagels entdeckt, das in der Nähe ihrer Leiche lag. Dort wurden auch weitere Spurenträger gefunden, die zurzeit noch kriminaltechnisch untersucht werden. Peggys Mutter sei "tief erschüttert" über den DNA-Fund an der Leiche ihrer Tochter, teilte die Anwältin der Frau mit.

Das Mädchen verschwand im Mai 2001 spurlos auf dem Weg von der Schule nach Hause. Der Fall gilt als eines der größten Rätsel der deutschen Kriminalgeschichte. Erst dieses Jahr im Juli entdecken Pilzsammler - nur wenige Kilometer von Peggys Heimatort entfernt im Grenzgebiet zwischen Thüringen und Bayern - Skelettteile der vermissten Schülerin im Wald.

Die DNA: Das perfekte Beweismittel?

Im Wohnmobil der Terroristen wurden Kindersachen gefunden

Eine Vermischung der DNA-Spuren ist inzwischen ausgeschlossen. Denn Peggys Skeletteile untersuchte die Gerichtsmedizin Jena, den Stofffetzen mit Böhnhardts DNA dagegen das LKA in München. Eine Verbindung zwischen Pädophilie und Nazi-Szene ist möglich. 

Zusammen mit seinem Komplizen Uwe Mundlos hatte Böhnhardt im November 2011 eine Sparkasse in Eisenach überfallen und war mit einem Wohnmobil geflüchtet. Kurz darauf erschoss Mundlos aller Wahrscheinlichkeit nach Böhnhardt, zündete das Gefährt an und tötete sich selbst. Mehrere Mitglieder des Thüringer NSU-Untersuchungsausschusses verwiesen darauf, dass im ausgebrannten NSU-Wohnmobil Kindersachen gefunden worden seien, deren Herkunft bis heute unklar ist. Im Brandschutt der Fluchtwohnung des NSU-Trios in Zwickau war auch ein Datenträger mit Kinderpornomaterial gefunden worden.

An den Kindersachen aus dem Wohnmobil der Terroristen wurde jedenfalls keine DNA der toten Peggy entdeckt. Das sagte BKA-Präsident Holger Münch. Seine Behörde hatte die Gegenstände, darunter auch eine Sandale, untersucht. Die Ermittler fanden daran eine weibliche DNA, aber nicht die von Peggy.

Auch in Thüringen bringt die Entdeckung die Ermittlungen in einem alten Fall wieder ins Rollen. "Es gab einen Tod eines neunjährigen Kindes in den neunziger Jahren in Jena und da war Herr Böhnhardt und sein Name schon einmal im Visier und das müssen wir alles viel, viel gründlicher betrachten", sagte Thüringens Ministerpräsident Bodo Ramelow. Er will die Akten von damals komplett neu prüfen lassen.

Der Junge war vor 21 Jahren verschwunden. Seine Leiche wurde am Ufer der Saale in der Nähe des Wohnorts seiner Großeltern gefunden und wies Spuren von sexuellem Missbrauch auf. Böhnhardt war von einem Schulfreund des Mordes an dem Kind bezichtigt worden. Bewiese dafür gab es nicht.

Die Rechtsextremisten Mundlos, Böhnhardt und Zschäpe sollen laut Bundesanwaltschaft jahrelang unerkannt gemordet haben. Das Trio aus Jena tauchte nach einer Razzia in seiner Bombenwerkstatt 1998 ab und gründete die Terrorgruppe. In München läuft seit mehr als drei Jahren der Prozess gegen Beate Zschäpe - als einzige Überlebende des sogenannten Nationalsozialistischen Untergrunds.