Nach Diplomaten-Ausweisungen: Warten auf Russlands Reaktion im Fall Sergej Skripal

17 EU-Mitglieder weisen russische Diplomaten aus

Im Streit um den Giftanschlag auf Ex-Agent Sergej Skripal und seine Tochter droht auf diplomatischer Ebene eine weitere Eskalation. Nachdem zahlreiche Staaten - darunter Großbritannien, Deutschland und 15 weitere EU-Mitglieder - angekündigt haben, russische Diplomaten auszuweisen, wird eine ähnliche Reaktion aus Moskau erwartet.

Diplomatischer Gegenschlag nur eine Frage der Zeit

Australien hat russische Diplomaten ausgewiesen
Zuletzt hat auch Australien russische Diplomaten ausgewiesen.
LC RR alh nwi, dpa, Lukas Coch

Großbritannien, 16 weitere EU-Staaten, die USA und Australien haben es vorgemacht. Nun ist damit zu rechnen, dass auch Moskau Botschafter aus aller Welt ausweist. Das Außenministerium und andere Behörden bereiteten bereits Schritte vor, kündigte Kremlsprecher Dmitri Peskow an. Russische Medien listeten bis Montagabend 23 Länder auf, aus denen 137 Landsleute ausgewiesen wurden. Der diplomatische Gegenschlag scheint nur eine Frage der Zeit zu sein. Es werde Maßnahmen gegen jedes einzelne Land geben, das russische Diplomaten ausweisen will, erklärte Außenamtssprecherin Maria Sacharowa im russischen Fernsehen.

Neben einer Reihe EU-Mitglieder haben sich die USA, Kanada, Norwegen, die Ukraine und zuletzt Australien solidarisch mit Großbritannien erklärt. Dort beschuldigt man den russischen Geheimdienst weiter des Anschlags auf Sergej Skripal. Der russische Ex-Doppelagent und seine Tochter wurden am 4. März ohnmächtig im britischen Salisbury entdeckt. Sie waren mit einem chemischen Kampfstoff vergiftet worden, der aus Russland stammen soll. Der Kreml weist alle Vorwürfe zurück. Das Verhältnis zwischen Russland, Großbritannien und der westlichen Welt verschlechtert sich seit dem Giftanschlag auf Skripal zunehmend.

Kritik an Maßnahmen gegen Russland

In Russland werden die Maßnahmen der westlichen Welt als "russophobe Kampagne" bezeichnet. Außenamtssprecherin Sacharowa kritisierte das Vorgehen von Großbritannien und seinen Partnern vor dem Hintergrund des Brandes im sibirischen Kemerowo, bei dem 64 Menschen starben. "In den Minuten, als alle Russen mit den Opfern der Tragödie von Kemerowo mitfühlten, gab es für sie nichts Wichtigeres als neue feindselige Handlungen zu verkünden", schreibt sie auf Facebook.

Auch aus der Opposition in Deutschland kommt Kritik am Vorgehen der EU und der Bundesregierung. Grünen-Politiker Jürgen Trittin nannte es "leichtfertig, ohne belastbare Beweise und nur aufgrund von Indizien so gegen Russland vorzugehen und in einen neuen Kalten Krieg zu stolpern." Dietmar Bartsch, Fraktionschef der Linken, kritisierte, es werde "weiter an der Eskalationsspirale gedreht".