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Nach desaströsem Formel-1-Start: Gelingt Lewis Hamilton in Aserbaidschan das Comeback?

ARCHIV - 18.07.2014, Baden-Württemberg, Hockenheim. Der britische Formel-1-Rennfahrer Lewis Hamilton (r) von Mercedes AMG spricht während des Trainings in seiner Teamgarage am Hockenheimring mit dem österreichischen Mercedes-Motorsportchef Torger Chr
Banger Blick auf das Zeitentableau: Mercedes-Teamchef Toto Wolff und Lewis Hamilton (r.). © dpa, Jens Büttner, jbu nic hpl kde hpl hak

Neue Erfahrung für den Branchenprimus und seine Nummer 1

Götterdämmerung in der Formel 1: Es läuft nicht mehr rund bei Lewis Hamilton und den Silberpfeilen. Drei Rennen in Folge gab es für den erfolgsverwöhnten Branchenprimus Mercedes jetzt schon keinen Siegerchampagner - das hat es in der Hybrid-Ära der Königsklasse noch nie gegeben. Und der viermalige Champion Lewis Hamilton war beim Großen Preis von China völlig von der Rolle.

Rosberg: "Lewis ist nicht in Form"

Das Shanghai-Wochenende sei ein "Desaster" gewesen, stellte der Titelverteidiger fest. "Meine Performance war schockierend", gab er ganz offen zu. "Ich muss versuchen, das richtigzustellen und mich wieder in den normalen Performance-Modus zu bringen. Ansonsten werden weitere wertvolle Punkte verloren."

"Lewis ist nicht in Form!", stellte Hamiltons langjährige Mercedes-Teamkollege Nico Rosberg fest. "Da ist ein komplett ratloser Lewis Hamilton, der dann auch ein bisschen die Motivation verliert, wenn er spürt, dass es einfach nicht läuft", sagte der RTL-Experte. Hamilton habe schon immer solche Schwächephasen gehabt, gerade zu Beginn der Saison, 2016 nutzte Rosberg das, um sich entscheidend abzusetzen.

Schafft Hamilton wieder das Comeback?

"Wenn man gegen Mercedes und Lewis in der WM kämpft, muss man das Maximum herausholen aus solchen Situationen", gab Rosberg Hamilton-Dauerrivale Sebastian Vettel mit auf den Weg und ergänzte: "Lewis kommt zurück, das ist klar! Und wenn er zurückkommt, dann wird es schwer."

Eine Erfahrung, die Vettel bereits im vergangenen Jahr machen musste: Da hatte der Ferrari-Star nach sechs Rennen 25 Punkte Vorsprung auf Hamilton - doch am Ende hatte der Brite kaum Probleme, seinen vierten WM-Titel einzutüten. Nicht nur weil Hamilton sich steigerte, sondern auch, weil Mercedes seinen Konkurrenten Ferrari im Rüstungswettlauf abhängte.

Ferrari treibt Mercedes in Fehler

Dass dies in diesem Jahr wieder gelingt, daran zweifeln indes viele Experten. "Ein Rennen kann mal Glück sein, aber jetzt war es schon das dritte Rennwochenende hintereinander, bei dem Ferrari einen dominanten Eindruck hinterlassen hat und Mercedes in Schach hielt", lautet beispielsweise die Analyse von TV-Experte Damon Hill, Weltmeister 1996. "Wir haben Mercedes so lange dominieren sehen. Aber Weltreiche entstehen und fallen. Vielleicht beginnt gerade eine neue Ferrari-Ära."

Fakt ist: Ferrari setzt Mercedes gewaltig unter Druck - und treibt die Sternenkrieger dadurch in Fehler. Mercedes verlor die ersten drei Saison-Rennen auch, weil die Strategen im entscheidenden Moment die falschen Entscheidungen trafen. In Shanghai verpasste man beispielsweise, Hamilton in der Safety-Car-Phase an die Box zu beordern - anders als bei Teamkollege Valtteri Bottas und Vettel wäre das möglich gewesen.

Hamilton hadert mit seinem Boliden

Für ORF-Experte Alexander Wurz steht fest: Nach den Jahren haushoher Überlegenheit, fehlt Mercedes die Erfahrung für die aktuelle Konkurrenzsituation: "Jetzt geht's um Zehntelsekunden und nicht mehr um easy Sekunden, die sie in den letzten Jahren mit einem total überlegenen Auto hatten", sagte Wurz. "Wenn du nicht gewöhnt bist, dass es so knapp zugeht, dann adjustierst du deine Daten nicht nach." 

Hamilton selbst macht die Strategie-Abteilung nicht für seine Niederlagen verantwortlich - er konstatiert tieferliegende Probleme: "Mit der Pace, die wir normalerweise haben, hätte ich selbst etwas aus der Situation machen können. Es geht aber um eine Teamleistung, und da hatten wir auf meiner Seite der Garage auf jeden Fall mehr Probleme."

Keine schnelle Lösung in Sicht

Teamchef Toto Wollf machte seiner Nummer 1 wenig Hoffnung, dass sich das zeitnah ändert. "Es war für uns das ganze Wochenende der Wurm drin - von Anfang bis Ende", gestand der Österreich und benannte auch das derzeitige Hauptproblem: "Wir haben die Reifen überhitzt. Wir haben das nicht im Griff. Wir wechseln zwischen zu kalt und Überhitzung. In der Formel 1 gibt es für sowas keine raschen Lösungen."