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Nach der Freilassung: Deniz Yücel ist im Ausland "unter Freunden"

Deniz Yücel ist wieder zurück in Deutschland
Deniz Yücel ist wieder zurück in Deutschland Nach überraschender Entlassung aus türkischer Haft 02:35

Deniz Yücel machte nur einen kurzen Stopp in Deutschland

Nach einem kurzen Zwischenstopp in Deutschland ist der aus türkischer Haft entlassene 'Welt'-Journalist Deniz Yücel wieder ins Ausland gereist. Am Freitag hatte die Türkei ihn aus einer einjährigen Untersuchungshaft freigelassen. Nun twittert Yücel schon wieder aus dem Ausland - er zeigt sich inmitten einer Gruppe Freunde. Am Freitagabend war Yücel am Bord einer Chartermaschine zunächst auf dem Flughafen Berlin-Tegel gelandet.

Privates Glück nach Freilassung

"Ich bin nicht in Deutschland. Aber ich bin unter Freunden", twitterte der 44-Jährige und veröffentlichte dazu ein Foto, das ihn strahlend mit seiner Frau Dilek Mayatürk Yücel und acht weiteren Menschen zeigt. Über ein Jahr hatte Deniz Yücel in der Türkei ohne Anklage im Gefängnis gesessen.

Deniz Yücel dankt der Bundesregierung

Nach seiner Ankunft in Deutschland, wurde eine Videobotschaft von Deniz Yücel auf Twitter veröffentlicht. Darin dankte er seinen Unterstützern und der deutschen Bundesregierung. "Ich weiß immer noch nicht, warum ich vor einem Jahr verhaftet wurde. Und ich weiß auch nicht, warum ich heute freigelassen wurde", so der Journalist. "Natürlich freue ich mich. Aber es bleibt etwas Bitteres zurück", erinnert er noch einmal an die vielen Kollegen, die weiter in Haft sind

Wiedersehen außerhalb der Mauern - Deniz Yücel und seine Frau

Yücels Ehefrau Dilek Mayatürk Yücel hatte zur Freilassung ihres Mannes einen großen Bund Petersilie mitgebracht. In einem Text aus dem Gefängnis hatte der Journalist berichtet, dass Petersilie für ihn und seine Frau die "Blume ihrer Liebe" sei und er im Laden der Haftanstalt regelmäßig welche kaufe, um sich an sie zu erinnern.

Ein Jahr ohne Anklage im Gefängnis

Trotz der Freilassung soll in der Türkei ein Strafverfahren gegen Yücel eröffnet werden. Die staatliche Nachrichtenagentur Anadolu meldete, das 32. Strafgericht in Istanbul habe Yücels Freilassung angeordnet, zugleich aber die Anklageschrift der Staatsanwaltschaft angenommen. Die Staatsanwaltschaft fordert zwischen vier und 18 Jahren Haft für Yücel. 

Der Fall war zuletzt der größte Streitpunkt im Verhältnis zur Türkei. Yücel saß ein Jahr ohne Anklage in der Türkei im Gefängnis. Zuletzt war aber Bewegung in den Fall gekommen.  Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hatte nach einem Treffen mit dem türkischen Ministerpräsidenten Binali Yildirim gesagt. Sie habe Yildirim darauf hingewiesen, "dass dieser Fall eine besondere Dringlichkeit für uns hat". Vor seinem Deutschland-Besuch hatte Yildirim der ARD gesagt, er hoffe auf eine baldige Freilassung Yücels. Außenminister Sigmar Gabriel sagte Mitte der Woche bei einem Besuch in Belgrad: "Ich bin relativ optimistisch, dass wir doch jetzt bald zu einer Gerichtsentscheidung kommen." Der SPD-Politiker fügte an: "Und ich hoffe natürlich, dass die positiv für Deniz Yücel ausgeht."

Im Oktober hatte ein türkisches Gericht die Freilassung des deutschen Menschenrechtlers Peter Steudtner verfügt und keine Ausreisesperre verhängt. Er konnte nach Deutschland zurückkehren, obwohl der Prozess gegen ihn weiterläuft. Steudtners Freilassung - und auch die der Übersetzerin Mesale Tolu - hat zu einer leichten Entspannung des deutsch-türkischen Verhältnisses geführt.

"Sieg für die Pressefreiheit"

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hat erfreut auf die Freilassung Yücels reagiert. "Ich freue mich natürlich für ihn, ich freue mich für seine Frau und die Familie, die ja ein sehr, sehr schwieriges Jahr der Trennung aushalten mussten", sagte Merkel. Auch zahlreiche User im Netz fühlten mit dem Journalisten.

Der Deutsche Journalistenverband (DJV) sprach von einem "Sieg für die Pressefreiheit". Yücel habe sich in der Haft nicht unterkriegen lassen, sagte der DJV-Vorsitzende Frank Überall. Nun gelte es, der Türkei klar zu machen, dass die Pressefreiheit auch für weitere inhaftierte Journalisten gelte.

In Deniz Yücels Heimatstadt Flörsheim am Main haben Bekannte und Politiker erleichtert reagiert. "Wir freuen uns alle und versuchen uns jetzt erst mal zu sammeln", sagte Bürgermeister Michael Antenbrink (SPD) am Freitag. So etwas erlebe man nicht alle Tage, sein Telefon habe nicht mehr stillgestanden.

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