Nach den 'Wagner-Festspielen' wird es ernst

Nicht nur durch seine drei Treffer gegen San Marino hat Sandro Wagner Pluspunkte bei Joachim Löw gesammelt
Nicht nur durch seine drei Treffer gegen San Marino hat Sandro Wagner Pluspunkte bei Joachim Löw gesammelt
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11. Juni 2017 - 12:30 Uhr

Erst einmal Pause. Nach einer gelungenen Testwoche gönnt sich die deutsche Nationalmannschaft eine kurze Ruhephase vor dem Confed Cup. Doch ein Aufreger störte die Stimmung.

Junge DFB-Elf eine Wundertüte

Joachim Löw ließ sein Wasserglas halb voll stehen und fuhr «mit einem guten Gefühl» nach Hause ins Breisgau. "Jetzt gilt es, in Ruhe in Freiburg ein bisschen abzuschalten", sagte der Bundestrainer zum Ende einer gelungenen Testwoche mit dem Höhepunkt der 'Wagner-Festspiele' beim 7:0 in der WM-Qualifikation gegen San Marino. Ab Montag, betonte er, gehe es "gedanklich weiter" - mit der Vorbereitung auf den Confed Cup.

Was bei der viel geschmähten Mini-WM in Russland (17. Juni bis 2. Juli) mit seinem Perspektivteam möglich ist, weiß Löw selbst noch nicht. "Wir haben eine junge, hungrige Mannschaft, die sich freut auf den Confed Cup", sagte er, "aber ich will mich nicht aus dem Fenster lehnen."

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"Ein anderes Kaliber" beim Confed Cup

In Gruppe B warten nach dem Auftakt gegen Australien am 19. Juni die starken Chilenen (22. Juni) und Kamerun (25. Juni), in Gruppe A spielt Portugal mit 15 Europameistern um Weltfußballer Cristiano Ronaldo. "Das ist ein anderes Kaliber", betonte Löw. Sein Kapitän Julian Draxler, der die freien Tage zur Behandlung verschiedener Wehwehchen in München verbrachte, gab zwar forsch den Titel als Ziel aus.

Doch obwohl auch Löw bei seinem jungen Team um Dreifachtorschütze Sandro Wagner (16., 29., 85.) viele gute Ansätze sah und ihn nur die Pfiffe gegen Timo Werner ärgerten, sagte er: "Es ist schön, wenn wir weit kommen und was erreichen, das ist natürlich das Ziel, aber ich muss ein bisschen weiter denken." An die WM 2018 - und die Mission Titelverteidigung in einem Jahr.

Die Qualifikation für das Weltturnier ist der Nationalmannschaft kaum mehr zu nehmen. Der Tabellenführer der Gruppe C liegt nach dem sechsten Heimspiel ohne Gegentor hintereinander (DFB-Rekord) mit der Maximalausbeute von 18 Punkten weiter klar vor 'Verfolger' Nordirland (13). Löw kann experimentieren, und tut dies in diesen Tagen erfolgreich - auch zu seiner eigenen Überraschung.

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Joachim Löw war von Sandro Wagners Leistung sehr angetan
© imago/MIS, Bernd Feil/M.i.S., imago sportfotodienst

Seine Zukunftskicker hätten seine Vorgaben in Dänemark (1:1) und Nürnberg "in einer Häufigkeit umgesetzt, wie man das so nicht erwarten konnte", lobte der Bundestrainer. Das galt vor allem für Wagner. "Das ist der Anfang einer Liebesbeziehung", schwärmte der Hoffenheimer nach seinem zweiten Länderspiel über Löw und die DFB-Auswahl. Der Spätberufene (29) habe dem Spiel etwas gegeben, "was wir in der Vergangenheit so nicht genutzt haben", meinte Draxler.

Das sah gegen San Marino zweimal so aus: Flanke Joshua Kimmich, Kopfball Wagner - Tor. Wagner sei bei hohen Bällen "sehr präsent" lobte Löw, "er hat in der Woche einen großen Schritt nach vorn gemacht". Wagner brachte sich auch als Mann offener Worte ein, seine Verteidigungsrede für den vom Publikum geschmähten Stürmerkonkurrenten Werner ("Unverschämtheit!") geriet eindrucksvoll. "Bei mir wird es so aufgebauscht, nur, weil ich bei RB spiele", schimpfte der Leipziger Werner, Löw fand die Pfiffe "nicht in Ordnung". Werner habe mit seiner Schwalbe gegen Schalke 04 im Dezember "einen Fehler gemacht, den hat er zugegeben". Aber: "Ein Nationalspieler, der am Anfang seiner Karriere steht und in der Bundesliga 21 Tore erzielt hat, der darf nicht ausgepfiffen werden."

Nächstes Ziel: Defensiv stabil stehen

Viel lieber sprach Löw über die Führungsqualitäten von Kapitän Draxler, der das 1:0 erzielt hatte (11.). Oder über Diego Demme, den siebten und letzten Debütanten dieser Woche, und den wuseligen Amin Younes, Torschütze zum 4:0 (38.). Shkodran Mustafi (47.), Julian Brandt (72.) und erneut Wagner besorgten ein standesgemäßes Ergebnis. Nur ein Tor fehlte zum 8:0 aus dem Hinspiel, an dem die Weltmeister Thomas Müller, Mario Götze, Sami Khedira und Mats Hummels mitgewirkt hatten.

Löw aber will sich in Frankfurt, wo die Mannschaft am Dienstagabend wieder zusammenkommt, und ab Donnerstag nach der Ankunft in Sotschi "auch darum kümmern, dass wir defensiv in der Organisation stabil stehen". Das, schwant ihm trotz all der erfreulichen Erkenntnisse, dürfte in Russland noch wichtig werden.