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Nach dem Urteil im NSU-Prozess: Das sagen die Angehörigen der Mordopfer

Diese Fragen zum NSU-Prozess sind noch offen
Diese Fragen zum NSU-Prozess sind noch offen Trotz des Urteils darf kein Schlussstrich gezogen werden 01:47

"Die Trauer wird bleiben"

Jahrelang haben die Familien der NSU-Mordopfer auf diesen Tag gewartet. Nun ist das Urteil gefallen, mit dem die Taten der rechtextremistischen Terrorgruppe gesühnt werden sollen. Ein schwerer Tag für die Angehörigen.

Einen Schlussstrich unter diese Taten darf es noch nicht geben

Der Vater von Halit Yozgat schreit auf, als es in der Urteilsverkündung im NSU-Prozess um den Mord an seinem Sohn geht. Gerichtsdiener versuchen, den verzweifelten Mann zu beruhigen. Andere bleiben äußerlich gefasst, auch wenn ihre Liebsten ebenfalls von der rechtextremistischen Terrorgruppe NSU ermordet wurden. In einem Punkt sind sich die Familien einig: Einen Schlussstrich unter diese Taten darf es noch nicht geben. Viele Fragen bleiben offen, wie wir im Video zeigen.

Mehr als fünf Jahre hat der Mordprozess gegen Beate Zschäpe und vier Helfer des "Nationalsozialistischen Untergrunds" gedauert. Das Urteil gegen Zschäpe als Mittäterin der beiden toten NSU-Terroristen Uwe Böhnhardt und Uwe Mundlos: lebenslang. Andere Verurteilte, insbesondere Andre E. aber auch Ralf Wohlleben, kämen dagegen mit zu milden Strafen davon, beklagen Angehörige. "Was für ein Leid wir erlitten haben, darauf ist man gar nicht heute eingegangen, das hat niemand interessiert und das hat uns sehr weh getan", sagt Semiya Simsek, die Tochter des ersten Mordopfers. Der Nürnberger Blumenhändler Enver Simsek wurde im Jahr 2000 erschossen.

"Das Urteil bleibt ein schwarzer Fleck in unseren Herzen"

Auch Halit Yozgats Vater Ismail fühlt sich nicht ausreichend gehört. "Wir als Familie Yozgat erkennen das Urteil unabhängig von seinem Ergebnis nicht an. Es ist für uns gegenstandslos und nichtig", sagt er laut einem Übersetzer. Das Gericht habe sie nicht gehört und auch nicht hören wollen. "Das Urteil, das Sie und Ihr Senat treffen, bleibt ein schwarzer Fleck in unseren Herzen", sagt er an die Adresse des Vorsitzenden Richters Manfred Götzl.

Etwas verloren steht Mustafa Turgut am Mittwoch vor dem Gerichtsgebäude in München. Sein Bruder Mehmet wurde in Rostock an einem Dönerstand erschossen. Sein Anwalt übersetzt: "Wir haben Respekt vor dem Urteil, aber wir haben noch viele Fragen, die nicht beantwortet sind." Nämlich nach möglichen Helfern, nach Hintermännern, nach der Rolle der Behörden und vor allem des Verfassungsschutzes.

Das ist die Hauptforderung auch der Anwälte, die die als Nebenkläger beteiligten Familien vertreten, so wie Rechtsanwalt Mehmet Daimagüler: "Die Aufklärung endet nicht heute, wir müssen davon ausgehen, dass es weitere Mittäter gibt und Helfershelfer, die auf freiem Fuß sind." In der Tat laufen laut Bundesanwaltschaft noch Ermittlungen gegen neun Beschuldigte. Außerdem werden weitere Hinweise geprüft.

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Tausende Demonstranten fordern Aufarbeitung der NSU-Taten

Nach dem Urteil im NSU-Prozess haben Tausende Menschen in mehreren deutschen Städten eine weitergehende Aufarbeitung der rechtsextremistischen Terrorserie verlangt. Die Demonstrationen standen unter dem Motto "Kein Schlussstrich" und wurden von linken Gruppen angemeldet. In München, dem Ort des über fünf Jahre dauernden Mammutprozesses, versammelten sich nach Angaben der Polizei am Abend etwa 3.000 Menschen zu einer friedlichen Kundgebung. In Berlin kamen über 1.000 Menschen zu einer Demonstration, die Teilnehmer riefen etwa "Der NSU war nicht zu dritt".

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