Nach dem Urteil für Marcel H. aus Herne: Was bedeutet eigentlich lebenslänglich?

01. Februar 2018 - 7:47 Uhr

Wie lang ist eigentlich lebenslang?

Lebenslang - so lautet das Urteil für den Doppelmörder Marcel H. Das Landgericht in Bochum hat bei dem 20-Jährigen eine besondere Schwere der Schuld erkannt. Eine Sicherungsverwahrung wurde unter Vorbehalt angeordnet. Aber was genau bedeutet dieses Urteil?

Erwachsenenstrafrecht oder Jugendstrafrecht?

Als Marcel H. den erst neun Jahre alten Nachbarjungen Jaden und seinen Ex-Schulfreund Christoph W. (22) umbrachte, war er selbst 19 Jahre alt. Während des Prozesses wirkte er nicht selten wie ein kleiner Schuljunge. Das Gericht hatte also zunächst zu prüfen, ob der Angeklagte  noch unter das Jugendstrafrecht fällt. Eine Reifeverzögerung haben Gutacher nicht festgestellt - für ihn gilt das  Erwachsenenstrafrecht.

Eine lebenslange Haftstrafe endet in der Regel nach 15 Jahren. Wenn das Gericht wie bei Marcel H. auch eine besondere Schwere der Schuld erkennt, kann die Haft auch 20 Jahre und länger dauern. Wie lange der Gefangene dann tatsächlich in Haft bleiben muss, muss im Einzelfall entschieden werden.

Marcel H. wird  in einer psychosozialen Einrichtung untergebracht - mit Therapiemöglicheiten. Dabei handelt es sich um eine Justizvollzugsanstalt. Der Strafrechtsexperte glaubt jedoch nicht an den Erfolg einer Therapie - warum, erklärt er im Interview.