Nach dem Schul-Massaker von Parkland: US-Präsident Trump plädiert für bewaffnete Lehrer

22. Februar 2018 - 8:27 Uhr

Lehrer bewaffnen oder Waffen in Safes deponieren

"Wir sind  nicht sicher" - unter dieser Parole demonstrierten draußen vor dem Weißen Haus Schüler für strengere Waffengesetze. Drinnen traf sich der US-Präsident mit Überlebenden und Hinterbliebenen des Schulmassakers von Florida. Es wurde sehr emotional, mit Tränen, bitteren Vorwürfen und - einem überraschenden Vorschlag von Donald Trump, der die Herzen von Waffennarren und Lobbyisten höher schlagen lässt.

Wenig spontaner Zuspruch für Trumps Vorschlag

Überlebende und Opfer-Angehörige des Schulmassakers von Parkland bei einem Termin imWeißen Haus
Ein weinender Überlebender des Massakers von Parkland während des Termins im Weißen Haus.
© REUTERS, JONATHAN ERNST, JE/MDP

Donald Trump ist offen für die Idee, bewaffneten Überfällen auf Schulen mit mehr Waffen in Schulen zu begegnen. "Wir werden uns das sehr genau ansehen", sagte der US-Präsident. Man könne zum Beispiel Lehrer bewaffnen oder Waffen in Safes deponieren, sagt er während des einstündigen Treffens mit Überlebenden und Angehörigen von Opfern des Massakers an der der Marjorie Stoneman-High-School in Florida vom vergangenen Mittwoch, bei dem ein 19-Jähriger 17 Menschen erschossen hatte.Dabei sdagte er unter anderem: "Wenn es einen Lehrer gegeben hätte, der sich mit Feuerwaffen ausgekannt hätte – dies hätte sehr gut dazu führen können, den Angriff sehr schnell zu beenden."

Viele der Anwesenden sind klar dagegen, wie sie auf die Trumps Frage kundtaten. Mehr dazu sehen Sie in unserem Video.

"Zu viel leeres Gerede"

Trauer in Parkland
Trauer in Parkland um die 17 Menschen, die bei dem Schulmassaker getötet wurden.
© imago/MediaPunch, mpi04, imago stock&people

"Es gab zu viele Zwischenfälle", sagte Trump, es habe nach anderen tödlichen Schießereien an Schulen zu viel leeres Gerede gegeben. "Wir müssen in dieser entsetzlichen Situation, die sich abspielt, etwas tun." Demnach liegen nun mehrere Vorschläge auf dem Tisch. Neben dem verdeckten Tragen von Waffen in Schulen nannte er strengere Überprüfungen von Waffenkäufern und ein Heraufsetzen ihrer Altersgrenze. Außerdem solle das Problem psychischer Erkrankungen angegangen werden, sagte Trump, ohne ins Detail zu gehen.

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Emotionale Appelle von Überlebenden und Opfer-Angehörigen

U.S. President Donald Trump bows his head during a prayer as he sits between Marjory Stoneman Douglas High School shooting survivors and students Julia Cordover (L) and Carson Abt (R) as the president hosts a listening session with high school studen
Schülerin Julie Cordover (links), die das Massaker überlebte.
© REUTERS, JONATHAN ERNST, JRB

Bei der Veranstaltung im Weißen Haus spielten sich erschütternde Szenen ab. Andrew Pollack, Vater eines Opfers, sagte: "Ich bin stocksauer, dass ich meine Tochter nie wieder sehen werde. Sie ist nicht hier. Sie ist in Nord-Lauderdale. Egal wo auch immer. Auf dem King David Friedhof. Dorthin gehe ich, um mein Kind zu sehen."

Überlebende von Parkland und Angehörige der Opfer früherer Massaker baten Trump zum Teil unter Tränen, Änderungen im Waffenrecht durchzusetzen. Sie nannten als Gegenmaßnahmen gegen Überfälle auch Präventionsprogramme, mehr Geld für psychisch Kranke und konsequentere Drills für Überfallsituationen an Schulen. "Ich kann hier sein, viele andere meiner Klassenkameraden nicht, das bringt einen einfach um den Verstand", sagte Schülerin Julie Cordover, die das Massaker in Florida überlebte.

"Kein Kind soll so etwas durchmachen müssen", sagte ihr Schulkamerad Matthew Blank. "Ich möchte einfach darum bitten, dass sich nun etwas ändert", sagte seine Mutter Melissa.

Lesen Sie hier, wie Lehrer Scott Beigel bei dem Massaker zum Helden wurde und starb, als er seinen Schülern das Leben rettete. 

"Wir dürfen sie nicht enttäuschen"

Proteste gegen Schulmassaker und die US-Waffengesetze vor dem Weißen Haus.
"Wir sind nicht sicher" - so protestieren seit Tagen amerikanische Kinder und Jugendliche.
© imago/UPI Photo, MIKE THEILER, imago stock&people

Nach dem Treffen twitterte Trump, er werde sich immer an diese mit den mutigen Schülern, Lehrern und Familien verbrachte Zeit erinnern. Es gebe so viel Liebe inmitten des großen Schmerzes: "Wir dürfen sie nicht enttäuschen. Wir müssen die Sicherheit unserer Kinder wahren!!"

Trump steht nach den Toten von Parkland unter einigem Druck. Seiner Anhängerschaft und sehr vielen Republikanern ist das Thema Waffen heilig. Sämtliche Vorschläge, die Trump in der emotional aufgeladenen Atmosphäre nach dem jüngsten Massaker nun genannt hat, müssten im Jahr der Kongresswahl durch Senat und Repräsentantenhaus. Das ist nicht sehr wahrscheinlich.

Am Mittwoch waren in Washington mehrere Hundert protestierende Schüler vom Kapitol vor das Weiße Haus gezogen. Auch in Florida gingen Hunderte auf die Straße. Sie sagten, sie wollten in ihrem Kampf für ein strengeres Waffenrecht nicht nachlassen.

Die ehemalige First Lady Michelle Obama sprach den Schülern in Florida via Twitter Mut zu. "Ich bin schwer beeindruckt von den außergewöhnlichen Schülern in Florida. Wie jede Fortschrittsbewegung in unserer Geschichte wird die Waffenreform unnachgiebigen Mut und Ausdauer erfordern. Aber @barackobama und ich glauben an Euch. Wir sind stolz auf Euch, und wir stehen auf der gesamten Strecke hinter Euch."