Sie fordern Frieden und Freiheit

Nach dem Brand von Moria: Frauen und Kinder demonstrieren gegen unmenschliche Zustände

14. September 2020 - 17:08 Uhr

Frauen und Kinder gehen auf Lesbos auf die Straße

"Moria tötet" steht auf ihren Plakaten oder "Wir brauchen Frieden und Freiheit". Frauen und Kinder demonstrieren auf der griechischen Insel Lesbos gegen die unmenschlichen Bedingungen, unter denen sie dort im Moment leben müssen. Bei dem verheerenden Brand im Flüchtlingscamp Moria haben sie alles verloren. Im Video zeigen wir die bewegenden Bilder von den Demonstrationen der Geflüchteten.

Viele Migranten wollen weg von der Insel Lesbos

Rund 12.000 Menschen verloren durch das Feuer ihr provisorisches Dach über dem Kopf. Das Lager brannte komplett nieder und die Bewohner standen von jetzt auf gleich auf der Straße – viele nur mit dem, was sie am Leibe trugen. Die ersten Nächte verbrachten die meisten in dünne Decken gehüllt auf dem nackten Asphalt. Inzwischen baute die griechische Regierung Zelte für rund 5.000 Menschen. In den nächsten Tagen soll das provisorische Lager erweitert werden, damit dort alle obdachlos gewordenen Migranten untergebracht werden können.

Die meisten wollen aber weg von der Insel – viele wünschen sich ein neues Leben in Deutschland. "Es lebe die Menschlichkeit – es lebe Merkel" steht auf einem der Plakate, mit dem die Kinder auf Lesbos protestieren. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) will bis zur Sitzung des Kabinetts am 16. September über die Aufnahme weiterer Migranten aus dem abgebrannten griechischen Flüchtlingslager Moria entscheiden.

"Europa kann doch viel mehr"

Der Ratsvorsitzende der evangelischen Kirche, Heinrich Bedford-Strohm, kritisierte im Interview mit RTL und ntv, dass bisher nur entschieden wurde, 400 Minderjährige aus dem Camp auf zehn europäische Staaten zu verteilen. Das reiche bei Weitem nicht aus, erklärte Bedford-Strohm. "Das kann doch nicht wahr sein! Europa kann doch viel mehr", meint der Ratsvorsitzende.

Mehrere Bundesländer haben zwar angeboten, Migranten aus Griechenland bei sich aufzunehmen. Und insgesamt 64 Kommunen und Landkreise wären nach Auskunft der Stadt Potsdam derzeit ausdrücklich bereit, aus Seenot gerettete Migranten aufzunehmen. Die Bundesregierung hat dies aber bislang verweigert und strebt stattdessen eine europäische Lösung an. Auch weil ein Teil der Kosten für die Unterbringung, Versorgung und Integration von Asylbewerbern am Ende doch nicht von den Kommunen und Ländern, sondern vom Bund und von den Beitragszahlern der Sozialversicherungen aufgebracht werden muss.