Corona-Sünder feierte trotz Quarantäne-Auflage

Nürnberger Party-DJ erhebt schwere Vorwürfe gegen Clubbetreiber

26. August 2020 - 13:44 Uhr

Gästeliste lückenhaft und voller Fehler

Es ist schon ziemlich dreist, was ein junger Mann aus dem Landkreis Fürth veranstaltete. Trotz seiner Quarantäne-Auflage ging er fröhlich in den Nürnberger Club "Mach 1" und feierte, als wäre nichts gewesen. Konsequenz: Alle Partygäste gelten als Kontaktperson der Kategorie 1 und stehen ebenso unter Quarantäne. Manuel Steinlein alias "DJ ManU", der bei der als private Feier deklarierten Veranstaltung auflegte, ist stinksauer und macht den Clubbetreibern Vorwürfe.

DJ erfuhr aus den Medien von dem Vorfall

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Manuel Steinlein alais "Dj ManU"

Nach Bekanntwerden der Geschichte zeigte sich schnell, dass hier einiges im Argen lag: Die Gästelisten sind teilweise falsch und unleserlich, so dass die Behörden jetzt über soziale Netzwerke nach den etwa 90 Partygästen fahnden. Sechs Tage dauerte es, bis die Betreiber des "Mach 1" die Liste vorlegten. Christian Ell vom zuständigen Gesundheitsamt Fürth hat den Verdacht, dass die Liste nicht vollständig ausgefüllt und lückenhaft war sowie Zahlendreher bei den Telefonnummern enthielt. Außerdem war die Party keine – wie behauptet – geschlossene, private Feier.

Manuel Steinlein, der gemeinsam mit einem Kollegen als DJ engagiert war, ist ziemlich verärgert. Neun Tage vergingen, bis er von der Corona-Kontamination erfuhr – aus den Medien! Denn die "Mach-1"-Betreiber erachteten es offenbar als nicht notwendig, ihm Bescheid zu sagen.

Kein Anruf, keine Nachricht - "Mach 1"-Macher melden sich nicht bei "DJ ManU"

Auch vom Gesundheitsamt hörte "DJ ManU" nichts – weil er gar nicht auf der Gästeliste stand. Vermutlich hat niemand dem Gesundheitsamt mitgeteilt, dass er an dem Abend ebenfalls auf der Fete war. Jetzt wartet er auf sein Testergebnis und muss in Quarantäne bleiben, bis Klarheit besteht.

Er macht aus seinem Ärger über die Clubbesitzer keinen Hehl. Bis heute habe es keinen Kontakt gegeben, obwohl er sich mehrfach gemeldet und um Rückmeldung gebeten habe. "Enttäuschend", wie er findet. Zumal er seit 2014 regelmäßig für die Betreiber arbeite.

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"Das ist bedenklich"

Kleiner Trost für ihn: Er glaubt nicht, dass er sich angesteckt haben könnte. Circa 90 Leute seien in dem Club gewesen, "ziemlich wenige für so einen großen Laden."  Als DJ habe er relativ wenig direkten Kontakt zu Gästen gehabt, sei einigermaßen weit weg gewesen. Die Gefahr, sich im Supermarkt anzustecken, sei größer, glaubt er.

Trotzdem könne er nicht verstehen, dass "so ein bekannter Laden wie das M1" da mitspiele. "Ich weiß bis heute nicht, ob ich auf der Liste stand. Das ist bedenklich", so Steinlein. "Wegen solcher Leute dauert es dann noch länger, bis wir zum Regelbetrieb übergehen können", fürchtet er.

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