Nach Busunfall in Dresden: Amtsgericht lehnt Haftbefehl gegen den Fahrer ab

Nach einem der schwersten Busunglücke in Deutschland hat die Staatsanwaltschaft den Haftbefehl gegen den Fahrer abgelehnt.
Nach einem der schwersten Busunglücke in Deutschland hat die Staatsanwaltschaft den Haftbefehl gegen den Fahrer abgelehnt.
© dpa, Matthias Hiekel

21. Juli 2014 - 19:18 Uhr

Wer hat Schuld?

Nach einem der schwersten Busunglücke in Deutschland mit zehn Toten hat das Amtsgericht Dresden den Haftbefehl gegen den Fahrer des Reisebusses abgelehnt. Der Vorwurf der Staatsanwaltschaft lautet: fahrlässige Tötung und Körperverletzung.

Am Sonntag beantragte die Staatsanwaltschaft Haftbefehl gegen den polnischen Busfahrer. "Wir gehen davon aus, dass er zum Unfallzeitpunkt nicht in der Lage war, das Fahrzeug zu führen - wegen Übermüdung", so Sprecher Lorenz Haase. Als Grund für den Haftbefehl nannte er eine potentielle Fluchtgefahr. "Wir hatten es so gesehen, dass er sich auf Grund der hohen Straferwartung einem Gerichtsverfahren in Deutschland nicht stellen würde."

Das sah das Amtsgericht Dresden allerdings anders und lehnte den Haftbefehl ab, da sich der 44-Jährige derzeit in einem Krankenhaus befinde und polizeilich überwacht werde. Der Haftgrund der Fluchtgefahr bestehe somit nicht. Sollte Anklage erhoben werden, werde ihm diese in Polen zugestellt.

Bei dem verheerenden Unfall war der polnische Reisebus in der Nacht zum Samstag gegen 2 Uhr morgens auf einen Bus aus der Ukraine aufgefahren. Durch die Wucht des Aufpralls schleuderte der Doppeldecker über die Autobahn und raste durch die Leitplanke auf die Gegenfahrbahn. Dort krachte er in den polnischen Kleinbus, stürzte etwa zehn Meter eine Böschung hinunter und überschlug sich. Den 150 herbeigerufenen Rettern bot sich ein Bild der Verwüstung. "Der Bus stürzte um, ich stürzte, ich weiß nicht wie es passiert ist", schilderte eine Überlebende dem polnischen Nachrichtensender TVN 24 das Unglück.

Noch nicht alle Toten identifiziert

In dem polnischen Bus waren laut Passagierliste 65 Gäste an Bord, dazu zwei Fahrer und ein Reiseleiter. Nach Informationen des Busunternehmens wurde das Fahrzeug erst kürzlich technisch überprüft, Informationen über den genauen Unfallverlauf habe man aber noch nicht. Zehn Menschen starben, 69 wurden verletzt, 39 davon schwer.

Inzwischen erklärte auch die polnische Regierung, dass noch nicht alle Todesopfer identifiziert seien. "In sieben Fällen haben wir bestätigt, dass es sich um polnische Opfer handelt", sagte Marcin Wojciechowski, der Sprecher des polnischen Außenministeriums. Bei drei Opfern müsse die Identität noch geklärt werden.

Die A4, die von Eisenach in Thüringen bis nach Görlitz an der Grenze zu Polen führt, war an der Unfallstelle rund zwölf Stunden voll gesperrt. Da das Unglück mit dem Beginn der Sommerferien in Sachsen zusammenfiel, bildeten sich lange Staus.