Nach Busunfall auf der A9: Drei Szenarien, wie der Unfall passiert sein könnte

05. Juli 2017 - 11:28 Uhr

Gut möglich, dass der Bus schon vor dem Aufprall brannte

Nach dem schweren Busunfall mit 18 Toten auf der A9 in Franken suchen die Ermittler nach der Unfallursache. Der mit 48 Personen besetzte Reisebus war auf der Autobahn in ein Stauende gerast. Auch der als sehr zuverlässig bekannte Busfahrer starb bei dem schlimmen Crash, bei dem der Bus völlig ausbrannte. Die Frage ist nun: Wie kam es zu dem Unfall? Und brannte der Bus womöglich schon vor dem Aufprall?

Materialien sind sehr leicht entflammbar

Das Buswrack wird am 03.07.2017 an der Unglücksstelle des verunfallten Reisebusses auf der Autobahn 9 bei Münchberg (Bayern) von Feuerwehrleuten gelöscht. Bei dem schweren Busunfall auf der Autobahn 9 in Oberfranken sind nach Erkenntnissen der Polize
Der Bus brannte sehr schnell aus. Es spricht Einiges dafür, dass der Reisebus schon vor dem Aufprall auf den Sattelschlepper brannte.
© dpa, Matthias Balk, mbk gfh

​Siegfried Brockmann, der Leiter Unfallforschung der Versicherer, hält es für wahrscheinlich, "dass der Unfall gar nicht der Auslöser des Brandes war, sondern der Brand möglicherweise zuerst da war". "Dafür gibt es Präzedenzfälle, dass ein Brand im Motorraum beginnt und dort vom Fahrer zunächst nicht wahrgenommen wird, bei den Niederflurmotoren im Heck. Der ist sehr weit weg von ihm. Der Fahrtwind drückt das Feuer auch zunächst nach hinten, so dass man lange braucht, um so einen Brand wahrzunehmen", sagte er dem Bayerischen Rundfunk.

Es sei schwer erklärbar, warum ein Bus bei einem Auffahrunfall so schnell in Flammen aufgehe, so Brockmann. Er wies darauf hin, dass der Bus am Rand stehenblieb. "Der Fahrer muss also noch einiges versucht haben, an den Rand zu kommen. Dann sehe ich brennende Teile hinter dem Bus." Auch dies sei ohne einen bereits vorher ausgebrochenen Brand schwer erklärbar.

Abgerissene Kraftstoffleitung als Brandursache?

Das Wrack eines verunfallten Reisebusses steht am 03.07.2017 an der Unglücksstelle auf der Autobahn 9 bei Münchberg (Bayern). Bei dem schweren Busunfall auf der Autobahn 9 in Oberfranken sind nach Erkenntnissen der Polizei vermutlich 18 Menschen ums
Der Reisebus brannte vollständig aus.
© dpa, Matthias Balk, mbk gfh

Ein Kraftfahrtexperte des TÜV Rheinland hält eine abgerissene Kraftstoffleitung für eine mögliche Ursache: "Im Fall eines Unfalls kann es sein, dass eine Kraftstoffleitung abreißt und der Kraftstoff auf heiße Fahrzeugteile gelangt und das Ganze anfängt zu brennen", sagte Hans-Ulrich Sander. Der Tank befinde sich in der Mitte oder im hinteren Bereich und könne 400 bis 500 Liter Kraftstoff enthalten. "Wenn der Kraftstoff dann unter dem Bus herläuft und alles brennt, geht es rasend schnell."

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Oder war es die Elektrik?

Eine weitere mögliche Erklärung lieferte Johannes Hübner, Sicherheitsexperte vom RDA Internationalen Bustouristik Verband in Köln: Im Armaturenbrett eines Busses sei die Elektrik des Fahrzeugs zusammengefasst; dort könnte es zu einem Kurzschluss gekommen sein. Auch wenn die Materialien in einem Bus feuerhemmend seien, breite sich der Brand schnell aus, wenn er nicht sofort gelöscht werde. "Die Beeinträchtigung ist nämlich vor allem der Rauch, der in den Innenraum dringt", sagte Hübner.

"Die Situation ist sehr schnell außer Kontrolle"

Wenn der Fahrer nicht mehr in der Lage war, die hintere Tür zu öffnen, könne das einer der Gäste gemacht haben. Meist würden aber Fenster eingeschlagen - doch tue man dies, ziehe der Rauch noch schneller durch den Bus. "Mit anderen Worten: Die Situation ist sehr schnell außer Kontrolle", sagte der Sicherheitsbeauftragte.