Schwere Vorwürfe gegen Betreiberfirma

Nach Bus-Katastrophe von Madeira: War der Fahrer übermüdet?

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22. April 2019 - 18:07 Uhr

Busfahrer spricht von "technischem Versagen"

29 deutsche Urlauber sind beim tragischen Busunglück auf der portugiesischen Urlaubsinsel Madeira ums Leben gekommen. 27 erlitten Verletzungen. Die meisten Überlebenden holte ein Flieger der Bundeswehr am Samstag zurück nach Deutschland, sie wurden von Köln aus in Krankenhäuser ihrer jeweiligen Wohnorte verlegt. Unterdessen geht die Suche nach der Unfallursache weiter. Während der Busfahrer von "technischem Versagen" spricht, erhebt die portugiesische Kraftfahrergewerkschaft SNM schwere Vorwürfe.

Fahrer soll mehr als 13 Stunden gefahren sein

dpatopbilder - 18.04.2019, Portugal, Funchal: Ein Fahrzeug schleppt einen demolierten Bus ab. An Bord des Unglücksbusses auf der portugiesischen Urlaubsinsel Madeira waren nach bisherigen Erkenntnissen des Reiseveranstalters trendtours 51 seiner Gäst
Der verletzte Busfahrer gilt nach portugiesischen Medienberichten als "sehr erfahren".
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Die Vorwürfe der Kraftfahrergewerkschaft richten sich gegen die Betreiberfirma des Unglücksbusses. Gewerkschaftskoordinator Manuel Oliveira versicherte, der Fahrer habe am Mittwoch zum Zeitpunkt des Unfalls gegen 18.30 Uhr bereits mehr als 13 Stunden hinter dem Steuer seines Fahrzeugs gesessen. Das seien fünf Stunden länger als vom Gesetz erlaubt.

"Wir wurden informiert, dass er um 22 Uhr (des Dienstags) Feierabend gemacht hat, und dass er (am Mittwoch) morgens zwischen fünf und halb sechs den Dienst wieder aufgenommen hat", sagte Oliveira im Gespräch mit dem Fernsehsender SIC.

Auch wenn der Gewerkschaftsvertreter keinen direkten Zusammenhang zwischen den Beschuldigungen und dem Unfall herstellte, wies der Arbeitgeber des Fahrers die Vorwürfe schnell zurück. Das Unternehmen habe eine Arbeitszeitaufzeichnung vorgelegt, aus der hervorgehe, dass der Fahrer die zulässige tägliche Arbeitszeit von acht Stunden nicht überschritten habe, schreibt die Zeitung "Diario de Noticias". 

Busfahrer gilt als "sehr erfahren"

Ambulances transporting injured German tourists involved in a bus accident, arrive at a German Air Force medical airplane at Cristiano Ronaldo Airport in Funchal, on the island of Madeira, Portugal April 20, 2019. REUTERS/Rafael Marchante TPX IMAGES
Die Überlebenden der Bus-Katastrophe wurden mit einem Flieger der deutschen Luftwaffe zurück nach Deutschland gebracht.
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Der verletzte Busfahrer gilt nach portugiesischen Medienberichten als "sehr erfahren" und "zuverlässig". Der Mann war unmittelbar nach dem Unfall vom Mittwochabend in Funchal einem Alkoholtest unterzogen worden, der nach amtlichen Angaben negativ ausfiel.

Vor dem Unfall soll er nach Aussagen von Überlebenden und Augenzeugen noch versucht haben, auf der abschüssigen, kurvenreichen Straße das Tempo des immer schneller werdenden Busses zu drosseln, indem er unter anderem eine Betonwand am Straßenrand streifte. Der Versuch schlug fehl. Der Bus stürzte einen Abhang hinunter und krachte in ein Haus.

"Den 15 Patienten geht es den Umständen entsprechend gut"

21.04.2019, Portugal, Funchal (Madeira): Eine Frau arrangiert eine Kinderzeichnung mit der Botschaft «Ruhet in Frieden» zwischen Kerzen und Blumen an der Unfallstelle. Bei dem Busunglück am 17.04.2019 auf der portugiesischen Atlantikinsel Madeira sin
Trauernde haben sich am Unglücksort versammelt.
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Eine Sondermaschine der Bundeswehr holte insgesamt 15 Verletzte am Karsamstag von Madeira nach Deutschland zurück. Die Patienten kamen anschließend in die Kölner Klinik. Der Direktor der Klinik, Bertil Bouillon, zeigte sich nach ersten Untersuchungen zufrieden mit dem Zustand der Unfallopfer. "Den 15 Patienten geht es den Umständen entsprechend gut", betonte er.

Die 15 Überlebenden stammen aus Nordrhein-Westfalen, Thüringen, Sachsen-Anhalt und Baden-Württemberg, wie die Stadt Köln mitteilte.

Im Krankenhaus in Funchal lagen am Montag noch drei Verletzte: Neben dem Fahrer des Unglücksbusses eine Frau aus Deutschland, die nach Einschätzung der Ärzte noch nicht transportfähig war, sowie die Reiseleiterin. Die 32 Jahre alte Portugiesin, die sich bei dem Unfall ein Bein brach, bedankte sich in der Nacht zum Sonntag auf Facebook für die Anteilnahme und die vielen Genesungswünsche.