Nach Brexit-Schelte: Trump und May ätzen gemeinsam gegen Deutschland

13. Juli 2018 - 22:55 Uhr

Trump und May passt die angebliche Abhängigkeit vom Russen-Gas nicht

Der US-Präsident zu Gast bei der britischen Premierministerin. Zum Schluss einer schwierigen Pressekonferenz sind sich Donald Trump und Theresa May dann doch in einem Punkt einig: Sie dreschen beide auf Deutschland ein. Der Grund: die angebliche Abhängigkeit vom russischen Gas. Doch das kann nur wenig darüber hinwegtäuschen, dass die viel beschworene "besondere Beziehung" zwischen London und Washington einen historischen Tiefpunkt erreicht hat.

Donald Trump stichelt und kritisiert Theresa May für Brexit-Politik

Trump in Großbritannien
Großbritanniens Premierministerin Theresa May und US-Präsident Donald Trump unterhalten sich auf dem Landsitz Chequers. Foto: Jack Taylor/PA Wire
© deutsche presse agentur

Trump hatte May mit einem Interview düpiert, das über Nacht von "The Sun", einem Boulevardblatt von Trumps Vertrauten Rupert Murdoch, veröffentlicht wurde. Trump hatte das von May so dringend gewünschte Handelsabkommen mit den USA nach dem EU-Austritt scharf kritisert und in Frage gestellt, sollte sie ihren Kurs auf einen "weichen Brexit" fortsetzen. Stattdessen lobte er ausgerechnet Mays kürzlich zurückgetrenen Außenminister Boris Johnson mit den Worten, er sei ein "großartiger Premierminister".

Nun versuchen beide, die Situation irgendwie in den Griff zu bekommen. Trump spielt die Dramatik seiner Worte herunter, spricht von "Fake News" und behauptet, seine Aussagen seien aus dem Zusammenhang gerissen worden. Er versichert, die USA wollten Handel treiben mit Großbritannien, egal wie die Verhandlungen mit Brüssel ausgingen. "Was auch immer Sie tun werden, ist für uns in Ordnung, stellen Sie nur sicher, dass wir zusammen Handel treiben können, das ist das Einzige, was zählt", sagte er. May kämpft mit den Tränen. So richtig zu sich findet sie erst, als die beiden Deutschlands Gasgeschäfte mit Russland kritisieren. Eine "furchtbare, furchtbare Sache" sei das, schimpft Trump, eine "Tragödie". May verspricht, das Thema in der EU anzusprechen, solange man noch dazugehöre.

"Mindestens 250.000" Demonstranten allein London

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Demonstranten ließen einen sechs Meter großen Helium-Ballon in Form eines Trump-Babys auf dem Parliament Square steigen.
© imago/UPI Photo, HUGO PHILPOTT, imago stock&people

Derweil gingen Zehntausende Menschen am Freitag gegen den Besuch von US-Präsident Donald Trump in Großbritannien auf die Straße. Schätzungen der Initiative "Stop Trump" sprachen sogar von "mindestens 250.000" Demonstranten allein in London. Auch in anderen Städten wie Belfast und Windsor gab es Demos. Dazu aufgerufen hatten unter anderem Gewerkschaften, Menschenrechtsaktivisten und religiöse Gruppen. Sie werfen Trump Sexismus, Rassismus und Hass auf Homosexuelle vor.

Hunderte hatten sich bereits am Vormittag auf dem Parliament Square versammelt und beobachtet, wie ein etwa sechs Meter großer Helium-Ballon in Form eines Trump-Babys in Windeln über dem Platz schwebte. Die Aktivisten wollten damit eigenen Angaben zufolge Trump ins Lächerliche ziehen und seinen in ihren Augen kindischen Charakter auf die Schippe nehmen.

Der Londoner Bürgermeister Sadiq Khan hatte die Genehmigung des satirischen Protests zuvor verteidigt. Kritiker hatten den Ballon als beleidigend gegenüber Trump empfunden und gefordert, die Aktion zu unterbinden. "Ehrlich gesagt, ist die Idee, dass wir das Recht auf Meinungsfreiheit einschränken, weil sich ein ausländischer Politiker auf den Schlips getreten fühlen könnte, ein Gang am Abgrund", sagte Khan "BBC-Radio".

Quelle: DPA/RTL