Arzt erklärt

Nach Böller-Angriff bei Rhein-Derby: So gefährlich ist ein Knalltrauma

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15. September 2019 - 15:20 Uhr

Zwölf verletzte Fotografen, Ordner und Volunteers - so lautete die traurige Bilanz einer Böller-Attacke in der 86. Minuten des Rhein-Derbys zwischen dem 1. FC Köln und Borussia Mönchengladbach. Der Unmut bei Verantwortlichen, Fans und den Betroffenen ist nach der unnötigen Attacke groß. Denn mehrere Verletzte sollen nach Informationen von RTL.de Knalltraumata erlitten haben. Doch wie gefährlich ist ein Knalltrauma?

„Die Empörung war bei vielen Fans sofort zu spüren“

"Das war völlig überflüssig. Das braucht kein Mensch", schimpfte FC-Trainer Achim Beierlorzer im ZDF - und brachte es damit auf den Punkt. Auch im Stadion, nur wenige Augenblicke nach dem Vorfall, waren viele Fans über die sinnlose Böller-Aktion verärgert und schockiert.

"Die Empörung war bei vielen Fans sofort zu spüren", so RTL-Reporter Nico Holter, der den Vorfall im Stadion aus wenigen Metern Entfernung erlebte. "Viele FC-Fans haben das Stadion dann auch direkt verlassen. Nicht nur wegen des 0:1-Rückstands kurz vor Spielende, sondern eben auch wegen des Vorfalls."

Nach Informationen von RTL.de wurden die Verletzten mit Verdacht auf Knalltraumata im Krankenhaus mit Infusionen behandelt. Das Equipment von mehreren Fotografen soll zum Teil völlig zerstört sein.

Arzt: Knalltrauma durch Böller kann Gehör dauerhaft schädigen

Ein Knalltrauma ist durchaus gefährlich, wie Arzt und Medizinjournalist Dr. Christoph Specht im Interview mit RTL.de erklärt. "Unser Gehör ist dafür da, alle Geräusche zu verarbeiten – wenn so ein sehr lautes Geräusch plötzlich auftaucht, dann ist das System überfordert und man hört erst einmal gar nichts. Das ist für die Betroffenen extrem unangenehm, weil man sich natürlich wahnsinnig erschreckt, wenn man plötzlich keine Geräusche mehr wahrnimmt", so Specht.

"Wenn man Glück hat, lässt das schnell wieder nach – manchmal schon nach ein paar Stunden." Die Auswirkungen könne man aber durchaus auch über mehrere Tage und Wochen spüren. "Ob und wie schwer das Gehör womöglich dauerhaft durch ein Knalltrauma geschädigt ist, ist sowieso erst nach mehreren Wochen absehbar."

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Polizei ermittelt gegen mutmaßlichen Täter

Die Betroffenen wurden direkt nach dem Vorfall medizinisch versorgt und ins Krankenhaus gebracht. Wie schwer ihre Verletzungen sind, wollte die Polizei auf Nachfrage aber vorerst nicht genauer mitteilen. Ein 35-Jähriger, der den Böller geworfen haben soll, konnte anhand von Videobildern identifiziert werden. Gegen ihn wird wegen gefährlicher Körperverletzung ermittelt.