Lastschrift-Buchungen nicht mehr möglich

Nach Betrugsfällen: Deutsche Bahn schränkt Ticketverkauf ein

© picture alliance, dpa, Sebastian Gollnow

20. Dezember 2018 - 10:35 Uhr

Einige Zahlungsarten fallen weg

"Ausgerechnet kurz vor Weihnachten", werden Bahnkunden jetzt stöhnen! Denn viele buchen ihre Tickets online und bezahlen per Lastschrift - das ist momentan aber nur eingeschränkt möglich. Wegen einer perfiden Betrugsmasche sieht sich die Bahn gezwungen, einige Zahlungsarten nicht mehr anzubieten.

Einschränkung betrifft vor allem Sparpreis-Tickets

Die Deutsche Bahn verzeichnet zurzeit "verstärkt betrügerische Aktivitäten", die dazu führen, dass die Buchung von Tickets mit bestimmten Zahlungsmitteln eingeschränkt wurde. "Wir haben diese Maßnahme zum Schutz unserer Kunden ergriffen und bitten dafür um Verständnis", sagte ein Sprecher der Deutschen Bahn. "Wir arbeiten mit Hochdruck daran, dass unsere Services so schnell wie möglich wieder wie gewohnt zur Verfügung stehen werden." Einen Zeitrahmen nannte das Unternehmen nicht.

Bahnkunden können erstmal keine Sparpreis-Tickets per Lastschrift bezahlen, wenn sie auf bahn.de und im "DB Navigator" buchen. Bereits im November hatte die Bahn die Summe gesenkt, die per Lastschrift abgebucht werden konnte. Sparpreis-Tickets mit einem Wert von mehr als 150 Euro konnten nur mit Sofortüberweisung oder Kreditkarte unter Abfrage des 3D-Secure-Passwortes bezahlt werden. Im Moment sind überhaupt keine Zahlungen per Lastschrift mehr für Sparpreis-Tickets möglich, die storniert werden können.

Bahn zieht erneut Zorn auf sich

Auf den Internet-Seiten der Bahn-Community lassen viele Bahnkunden jetzt ordentlich Frust ab. Kristisiert wird die fehlende und späte Information für die Kunden, die zum Teil seit langer Zeit das Lastschrift-Verfahren nutzen. Viele verweisen darauf, dass das 3D-Secure-Verfahren nicht kurzfristig verfügbar sei, sondern erst nach Rücksprache mit der Bank. Klar ist: Die Betrügereien sind auch nicht wegen der Zahlungsart Lastschrift möglich geworden, sondern wegen des von der Bahn geänderten Rückzahlungsmodus bei stornierten Tickets.

Wegen dieser Betrugsmasche musste die Bahn die Reißleine ziehen

Möglich wurde die Methode des Online-Betrugs erst durch den Umgang der Bahn mit Stornierungen: Wer bis Juli ein Sparpreisticket wieder abbestellte, musste 19 Euro Bearbeitungsgebühr zahlen, der Restbetrag wurde ausgezahlt. Seit dem 1. August fielen nur noch 10 Euro an, der Rest wurde als Gutschein zurückgegeben. Der konnte dann für neue Fahrkarten oder eine Bahncard eingesetzt werden. Der Knackpunkt: Er war nicht personengebunden und konnte an Dritte weitergegeben werden.

Die Betrüger greifen einem Ermittler zufolge zunächst E-Mail-Zugangsdaten bei zwei großen Providern ab, geben diese bei bahn.de ein und fordern anschließend ein neues Passwort an. Dann bestellen sie Sparpreistickets, stornieren sie sofort wieder und lassen sich die entstandenen Gutscheine an ihre eigene Mailadresse schicken. Abgebucht werden die Transaktionen jedoch vom Konto der unwissenden Kunden. Mit den Gutscheinen kaufen die Täter im nächsten Schritt neue Tickets, die sie im Internet anbieten.

Quellen: dpa / RTL.de